Frankenstein trifft auf James Bond

04.05.2018 • 15:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kafka mit FlügelnDaniela Emminger, Czernin Verlag, 496 Seiten

Kafka mit Flügeln

Daniela Emminger, Czernin Verlag, 496 Seiten

Die Österreicherin Daniela Emminger entführt nach Kirgisistan.

Roman Wer demnächst in die kirgisische Republik reisen möchte, für den sollte der Roman „Kafka mit Flügeln“ von Daniela Emminger neben der Konsultation einschlägiger Reiseführer zur Pflichtlektüre gehören. Auch Liebhaber skurriler Science-Fiction werden auf ihre Kosten kommen. Die in Wien lebende Oberösterreicherin liebt das Abenteuer. Die mehrmonatige Vor-Ort-Recherche war sicher ein solches.

Emminger hat sich auf der Suche nach dem passenden Sujet eine verhinderte Love Story einfallen lassen, die dem Kitsch nur deswegen entgeht, weil sie Liebe zunächst gar nicht entstehen lässt. Doch das beim gemeinsamen Aufwachsen in einer österreichischen Kleinstadt geknüpfte Freundschaftsband zwischen dem „Kerbeljungen“ Samat und dem „Dillemädchen“ Sybille ist so stark, dass es Jahrzehnte überdauert. Eines Tages bricht Samat Hals über Kopf auf, um nach seinem kirgisischen Vater zu suchen, und kehrt nicht mehr zurück.

Die Briefe, die er seiner Freundin aus der Fremde schreibt, die aber von ihrer Mutter unterschlagen werden, bilden den Rahmen für den Jahrzehnte später spielenden Hauptteil des Romans, der mit Todesfällen beginnt. Am Sterbebett eröffnet die Mutter ihrer mittlerweile 38-jährigen Tochter, dass es eine Schachtel von Briefen ihres Jugendfreundes gibt. Nachdem Sybille Samats Berichte gelesen hat, beschließt sie, nach Kirgisistan aufzubrechen. Ihre Erlebnisse wirken sehr authentisch. Doch was als Reise- und Abenteuerroman ein mehr oder weniger glückliches Ende finden könnte, mutiert noch einmal zum Wissenschaftsthriller.

Turbulenzen

In „Die Vergebung muss noch warten“ machte sich Emminger lustig über eine Esoterik-Industrie, die Seelen zum Schwingen bringt. Nun geht es um Schmetterlingsseelen, die den Menschen zum großen Glück verhelfen sollen. Die Experimente und die DNA-Manipulationen, bei denen nicht nur fremdes Erbgut, sondern auch eine geheimnisvolle Lebensenergie zum Einsatz kommt, lesen sich zwar durchgeknallt, dienen Emminger aber als Motor für weitere 200 Seiten, in denen Frankenstein auf James Bond und National Geographic auf Hollywood trifft. Nach ordentlichem Einsatz von Dynamit und Hubschraubern werden die Geister, die man rief, schließlich wieder in die Flasche gestopft, und das turbulente Buch schließt mit einem versöhnlichen „Zeit, nach Hause zu gehen.“