Mit einer Rufweite von Austria bis Australien

04.05.2018 • 20:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit seinem neuen Projekt „Sag Schibbolet!“ widmet sich das Jüdische Museum Hohenems sichtbaren und unsichtbaren Grenzen.  JHM/Walser
Mit seinem neuen Projekt „Sag Schibbolet!“ widmet sich das Jüdische Museum Hohenems sichtbaren und unsichtbaren Grenzen.  JHM/Walser

Das Jüdische Museum erweitert seinen Radius in vielerlei Hinsicht.

Hohenems Das Katalogbuch, herausgegeben von Boaz Levin, Hanno Loewy und Anika Reichwald ist umfangreich, die seit März zu sehende Ausstellung „Sag  Schibbolet!“ noch einige Monate geöffnet und von einem Programm begleitet, das die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen überall und in unmittelbarer Nähe samt der politischen Sachverhalte benennt. Neben den Inhalten bleiben auch die künstlerischen Arbeiten präsent, die das Thema in seiner Vielschichtigkeit von der Geschichte bis in die Gegenwart aufnehmen, denn auch für „Sag Schibbolet!“ hat das Jüdische Museum in Hohenems einen Kooperationspartner gefunden, was heißt, dass die Ausstellung nach München kommt. Mitunter seien die Objekte so wertvoll, dass eine Tournee nicht drin ist, erklärt Museumsdirektor Hanno Loewy, das große Jüdische Museum in Berlin hat der Kulturinstitution in Hohenems aber auch schon einmal eine Idee abgekauft, nach der vor Ort eine Sonderschau gestaltet wurde.

Das im Vorjahr gezeigte umfangreiche Projekt „Die weibliche Seite Gottes“, das der Frage nachgeht, ob der nach jüdischer, christlicher und muslimischer Tradition einzige Gott auch anders als männlich verstanden werden kann, kommt im Kern so wie es in Hohenems gestaltet wurde nach Frankfurt und „Jukebox“, die im wahrsten Sinne des Wortes klingende Ausstellung über jüdische Erfinder, Musiker, Komponisten, Musikproduzenten und Songwriter, die die Musikgeschichte maßgeblich beeinflusst haben, war gerade in Graz zu sehen und kommt demnächst nach Australien.

Dass „Sag Schibbolet!“ die Menschen bewegt, ist im Jüdischen Museum täglich erfahrbar. Der Fotokünstler Arno Gisinger hat sich mit den Markierungen an der nahen Grenze zur Schweiz beschäftigt, die für Flüchtlinge vor Jahrzehnten noch die rettende Insel bedeutete, Lawrence Abu Hamdan beschäftigt sich mit Sprachanalysen, die in Holland zur Bestimmung der Herkunft von Asylsuchenden eingesetzt wurden. Die höchst fragwürdige Methode zur Rechtfertigung von Abschiebungen führt auch zur Auseinandersetzung mit der österreichischen Politik. „Österreich zählt in der Entwicklungszusammenarbeit zu den Schlusslichtern“, hält Hanno Loewy im Gespräch mit den VN fest. Hierzulande werde Symbolpolitik betrieben, die darauf setzt, möglichst eklig zu sein, um nicht als Zielperspektive von flüchtenden Menschen genannt zu werden. Immigranten, die bei uns im Land leben, massiv zu verunsichern, werde dabei als Kollateralschaden in Kauf genommen.

Ausbau und Ausbildung

Die Besucherzahlen hat das Jüdische Museum in Hohenems in den letzten Jahren stets erhöht, die Vermittlungsprogramme wurden erweitert. Zurzeit werden gemeinsam mit dem Museumsbeirat Aus- und Umbaupläne für das vom Publikum und auch von den Schulen sehr gut angenommene Haus diskutiert. Etwas Grundsätzliches führt Hanno Loewy noch an: Im Fortbildungsprogramm für Pädagogen finden Kunst und Kultur in Vorarlberg kaum Berücksichtigung. VN-cd

„Österreich zählt in der Entwicklungszusammenarbeit zu den Schlusslichtern.“

Die Ausstellung ist bis 17. Februar geöffnet. 5. Mai, 19.30 Uhr, Sulzer Saal, Gespräch: „Das Mittelmeer schließen?“ mit Gerald Knaus (European Stability Initiative) und Cengiz Günay (Institut für Internationale Politik).