Bislang nur einen Abstellraum wert

07.05.2018 • 16:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verena Konrad (Leiterin VAI) mit den Architekten Josef Fink, Bernhard Marte und Hermann Kaufmann. Darko Todorovic
Verena Konrad (Leiterin VAI) mit den Architekten Josef Fink, Bernhard Marte und Hermann Kaufmann. Darko Todorovic

Vorarlberger Architekten fordern vehement mehr Qualität im Wohnbau und mehr Wettbewerbe.

Dornbirn Ein fair honorierter Wettbewerb für eine Wohnanlage mit 100 Wohnungen koste so viel wie ein einziges Schlafzimmer, skizziert Bernhard Marte, selbst Architekt und Vorstandsmitglied der Kammer der Ziviltechniker, das, was im gerne als Architekturland bezeichneten Bundesland Vorarlberg allerdings noch ein Wunschdenken ist, denn „bisher bekommen Architekten oft nur den Gegenwert eines Abstellraumes“. Dass die Gagen viel zu gering sind, war allerdings nur einer der Gründe dafür, dass Marte gemeinsam mit Verena Konrad, der Direktorin des Vorarlberger Architekturinstituts, sowie seinen Kollegen Hermann Kaufmann (oftmals Jury-Mitglied) und Josef Fink (Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses der Kammer der Ziviltechniker für Tirol und Vorarlberg) vor die Medien bzw. an die Öffentlichkeit trat. Die Architekten fordern nämlich überhaupt mehr Wettbewerbe.

Unterstützungserklärung

Dass es bezüglich der dabei zu erwartenden Verbesserung der Qualität der Bauten weitgehend Konsens gibt, belegt eine erst jüngst aufgesetzte Unterstützungserklärung, die bereits rund 120 von 150 selbstständigen Architektinnen und Architekten unterschrieben haben, obwohl sie damit gleichsam Verpflichtungen eingehen. Diese sieht nämlich die Gleichbehandlung und Anonymität der teilnehmenden Büros und die Transparenz in der Durchführung vor. Weiters soll das siegreiche Büro mit dem Auftrag betraut werden, die Beurteilung soll fachkompetent und unabhängig erfolgen, die Preise und Entschädigungen sollen angemessen sein, und für die Werknutzungsrechte sollen klare Regelungen getroffen werden. Einige dieser Punkte, die sich für Außenstehende logisch anhören, sind im Bauwesen und vor allem im Wohnbau in Vorarlberg noch nicht erfüllt. Fair abgewickelte Wettbewerbe führten, so Josef Fink, zu mehr Innovation und Qualität, gerade im Wohnbau, auch würden in der Industrie, im Gewerbe und im Handel allzu strikte Vorgaben und der Versuch der Kostenminimierung in der Umsetzung die Innovation behindern.

Wichtig für die Gesellschaft

Den hohen Wert der Gestaltung des öffentlichen Raumes gelte es, so Verena Konrad, ins Bewusstsein zu rufen. Die VAI-Leiterin, die, wie bekannt ist, heuer den Österreich-Auftritt auf der Architektur-Biennale in Venedig kuratiert, erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die geistige Leistung, die Architekten erbringen. Dass Wettbewerbe nicht alle Probleme lösen, sei zwar klar, allerdings seien sie „ein gutes Instrument, um eine hohe Qualität in der Architektur sicherzustellen“, so Kaufmann. Ihm geht es dabei auch um die jungen Büros, die oftmals erst im Rahmen von Wettbewerben an Aufträge kommen. Als weiteres Argument führt er an, dass die später mit Preisen bedachten Bauten oftmals Projekte sind, deren Entwürfe bei Wettbewerben Be­achtung fanden.

Einen Ruf zu verlieren

Josef Fink schließt den Forderungen durchaus pragmatische Betrachtungen an. Dass Entscheidungen an eine Jury delegiert werden, erweise sich bei entsprechender Diskussionskultur als weniger problematisch als angenommen. Bleibe man etwa beim Wohnbau beim Status quo, so werde die Vorarlberger Architektur aber ihren international guten Ruf bald verlieren. VN-cd

„Bei Wettbewerben verdienen wir nichts. Es geht uns um die Anerkennung der Leistung.“

Am 8. und 9. Juni finden in Österreich Architekturtage statt. In Vorarlberg sind mehrere Büros und Ateliers geöffnet: architekturtage.at