Hallo Erde, die Planeten schlagen zurück

09.05.2018 • 16:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sandra Loser, Maria Studer, Ronny Kuste, Maria Fliri, Tatjana Velimirov und Simone Loser in „Das Knurren der Milchstraße“. Ensemble Unpop/Stark
Sandra Loser, Maria Studer, Ronny Kuste, Maria Fliri, Tatjana Velimirov und Simone Loser in „Das Knurren der Milchstraße“. Ensemble Unpop/Stark

„Das Knurren der Milchstraße“ erhält in Österreich einen optischen Aufputz.

Christa Dietrich

Dornbirn Beim Abfassen des Stücks „Das Knurren der Milchstraße“ dürfte der deutsche Autor Bonn Park von den Karriereabsichten des nunmehrigen österreichischen Bundeskanzlers kaum eine Ahnung gehabt haben. In einer der ersten Fassungen des Stücks, für das der Berliner (geb. 1987) mit einem Stückemarkt-Preis ausgezeichnet wurde, scheint noch ein namhafter deutscher Torwart auf, nach späteren Inszenierungen war dann auch von Angela Merkel oder einer anderen Politikerin zu lesen. Dass das „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“ das Werk für die Erstpräsentation in Vorarlberg adaptiert, war vorauszusehen, somit agiert also Maria Fliri als wahlkämpfender Sebastian Kurz, der derart in Erfolgsrausch gerät, dass er beabsichtigt, für alle Parteien der Welt zu kandidieren. Wäre die Schauspielerin nicht eine Nummer für sich, würde die Szene bald durchhängen, doch Fliri macht auch aus nichts noch einen Glanzpunkt und so rückt ihr Auftritt im engen Anzug und mit obligaten Ohrenmasken zum Zentrum einer irgendwo im Weltall angesiedelten Aufführung mit Ansagen durchgeknallter Subjekte, die, abgesehen von Heidi Klum, auf der Erde bzw. auch im wirklichen Leben Katastrophen anrichten können. Dabei wäre der Bruderkuss von Donald Trump und Kim Jong-Un trotz allen Ekels, den man beim Anblick empfindet, nicht einmal das Schlimmste.

Sebastian, Basti und so

Während die Ausstattung von Caro Stark mit den unheimlichen dunklen Planeten, die irgendwann wohl zurückschlagen werden, wenn die Erdenbewohner weiterhin auf Selbstzerstörungskurs bleiben, Anerkennung abverlangt, sei darauf verwiesen, dass selbst vor Skurrilität strotzende satirische Texte wie eben jener von Bonn Park auch ein Ablaufdatum haben. Bereits vor rund einem Jahr hatte der aus Vorarlberg stammende Autor Martin Wanko basierend auf Friedrich Schillers Drama „Die Verschwörung des Fiesco zu Genau“ für das Theater im Keller in Graz eine beißende Politsatire geschaffen, in der die Figur eines Sebastian bzw. Basti durch weit größere Aktualität hervorstach als es hier der Fall ist.

Regisseur Stephan Kasimir greift das Format der Stand-up-Comedy auf, um es zugleich kritisch zu beleuchten. Er weiß, welche Kaliber es braucht, damit die Konzentration nicht abflacht. Neben Maria Fliri trumpft vor allem Simone Loser als Kim Jong-Un auf, Tatjana Velimirov hat das Pech, dass sich für Heidi Klum, die hier alles wegfrisst, was nicht schön ist, kaum ein denkfähiger Mensch interessiert, und Anwar Kashlan darf wunderbar dosiert mit dem Kindchenschema spielen. Das Team hat das, was der Autor selbst – nach Anerkennung heischend? – einen „dummen Text“ nennt, bissig aufgemotzt, aber nicht jede textliche Seichtheit lässt sich übertünchen. Gejubelt wurde dennoch.

Weitere Aufführungen des Stücks am 10., 11., 12., 13. und 15. Mai im Kulturhaus in Dornbirn: www.unpop.at