„In der Politik sind Persönlichkeiten rar“

11.05.2018 • 17:48 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Peter Klien ist Gag-Schreiber für „Willkommen Österreich“ und präsentiert mit „Reporter ohne Grenzen“ sein viertes Kabarettprogramm. Ingo Pertramer
Peter Klien ist Gag-Schreiber für „Willkommen Österreich“ und präsentiert mit „Reporter ohne Grenzen“ sein viertes Kabarettprogramm. Ingo Pertramer

Peter Klien, der „Reporter ohne Grenzen“, spricht über Lust und Abgeklärtheit und alles, was ihn antreibt.

Christa Dietrich

Lustenau, Wien „Ich scheue mich nicht davor, mich selbst auch ein bisschen verulkt zu sehen“, erklärt Peter Klien seine Vorgehensweise, wenn er den Menschen – vorwiegend Politikern – unübliche Fragen stellt. Satire schärft den Blick, erzeugt aber auch ein Lachen, das das Lachen über sich selbst einbezieht. Klien hat als Philosoph mit Lust an Extrovertiertheit das Rüstzeug und Tausende Fans.

 

Sie treten demnächst im sogenannten Freudenhaus in Lustenau auf. Werden auch Vorarlberger Verhältnisse thematisiert? Wie gut kennen Sie das Land?

Klien Es ist grundsätzlich so, dass ich Vorarlberger Wurzeln habe. Dadurch habe ich einen Bezug zum Ländle. Ich kenne das Tagesgeschehen zu wenig, habe mir aber einmal überlegt, die Volksabstimmung in Lustenau zu thematisieren.

 

Gibt es beim Blick auf Vorarlberg darüber hinaus Themen, die Sie reizen? Womit verbinden Sie Vorarlberg?

Klien Mit einer gewissen Hartnäckigkeit. Mein Großvater hat mir „nit lugg lo“ ins Stammbuch geschrieben. Das empfinde ich ein bisschen wie ein Lebensmotto. Nicht nur, weil Vorarlberg aus Wiener Sicht hinter dem Arlberg liegt, hat man manchmal das Gefühl, dass sie nicht zu uns gehörten. Das hat sicher auch mit dem Dialekt zu tun, Bayern hat diesbezüglich ja nicht auf Vorarlberg ausgestrahlt. Das Vorarlbergerische ist ein alemannischer Dialekt, da ist eine Kulturgrenze gegeben, die nicht von ungefähr ist. Ich habe hier noch nie Kabarett gespielt und bin schon sehr neugierig, wie die Reaktionen insgesamt ausfallen.

 

Gibt es wenigstens ein paar Politiker, die Humor haben?

Klien Man findet in jeder Partei einzelne Personen, die Persönlichkeiten sind, die sich zutrauen, auf eine dumme, versteckt intelligente Frage antworten zu können, die mit einem Witz auf einen Witz reagieren. Personen, die gefestigt sind und nicht nur Phrasen dreschen, gibt es, aber es sind unglaublich wenige, sie sind rar.

 

Warum ist Eitelkeit für Menschen ein so großer Antrieb?

Klien Nicht nur Politiker sind eitel, sondern auch Kabarettisten. Bei jedem, der sich ins Rampenlicht drängt, gehört eine Lust dazu, sich zu produzieren. Das Extrovertierte, die Lust daran, sich zu zeigen, das ist ein Stück weit mit Eitelkeit verbunden. Woher das kommt, darüber habe ich mir nicht übermäßig Gedanken gemacht. Wenn es jemand schafft, über sich selbst zu lachen, dann hat er meine Sympathie.

 

War Ihnen selbst schon einmal etwas peinlich?

Klien Ich spiele damit, dass ich selbst auch nicht immer so gut aussteige, es passiert, dass ich manchmal auf eine freche Frage eine noch frechere Antwort bekomme. Ich scheue mich nicht davor, mich selbst irgendwo ein bisschen verulkt zu sehen.

 

Was inspiriert Sie besonders?

Klien Es ist grundsätzlich so, dass mein Blick auf die Welt satirisch gebrochen ist. Gerade wenn sich jemand besonders wichtig machen möchte, muss ich schmunzeln. Oft genügt es, sich Zeit zu nehmen, sich hinzusetzen und alles in einem größeren Zusammenhang zu betrachten.

 

Sehen Sie in der satirischen Herangehensweise eine Möglichkeit, sich nicht der Gefahr auszusetzen, an der Politik zu verzweifeln?

Klien Ich bin diesbezüglich nicht gefährdet, weil ich schlecht darin bin, mich allzu sehr in etwas hineinzusteigern. Mir hilft der Blick in die Antike. Ich kenne viele Texte aus allen Jahrhunderten, in denen sich Schriftsteller über die Politik beschweren. Mich begleitet eine Art von Abgeklärtheit. Ich glaube nicht, dass viele Idealisten herumlaufen, es gibt Politiker, die moralisch gefestigt sind und solche, die nur auf ihren eigenen Vorteil schauen. Bei der Satire geht es nicht zu Unrecht um die Frage, wie weit die Macht Menschen korrumpiert und wie sie damit umgehen. Wo ich als Satiriker einschreiten möchte, ist, wenn die Allgemeinheit betrogen wird. Wir bezahlen die Politiker.

 

Gibt es für Sie eine Wunsch-Inter­viewpartnerin bzw. einen -partner?

Klien Es gibt eine längere Kette der Versuche, mit dem Bundeskanzler ins Gespräch zu kommen.

 

Sie haben Philosophie und Altgriechisch studiert. Wie viel Zeit haben Sie oder wie viel gönnen Sie sich, um diesen Kompetenzbereich nicht nur kabarettistisch zur Wirkung kommen zu lassen?

Klien Einmal in der Woche bin ich als Universitätslektor tätig.

 

Nehmen Sie bei Auftritten in den Bundesländern andere Reaktionen wahr als in Wien?

Klien Es gibt nichts, was herausragt, aber es ist lustig festzustellen, dass die Reaktionen sehr unterschiedlich sind. Ich schaue mir oft einmal an, wer Bürgermeister in dem Ort ist, in dem ich auftrete.

 

Bereitet Ihnen die Kabarett-Arbeit noch echten Spaß?

Klien Auf jeden Fall. Ich sehe meinen Auftrag darin, die Politik zu begleiten. Ich bin vom Politikfeuer noch entzündet, Ernst und Komik zu mischen, das interessiert mich sehr.

Zur Person

Peter Klien

Geboren 1970

Ausbildung Studium Germanistik, Philosophie und Altphilologie

Tätigkeit Universitätslektor, Kabarettist, Gag-Schreiber für „Willkommen Österreich“, „Reporter ohne Grenzen“ ist sein viertes Solo-Programm

Peter Klien tritt am 18. und 19. Mai, jeweils 20.30 Uhr, mit dem Programm „Reporter ohne Grenzen“ im Freudenhaus in Lustenau auf.