Malerei als Reise mit unbestimmtem Ausgang

11.05.2018 • 17:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Die Hand lernt beim Malen“, sagt die Künstlerin Alejandra Seeber und begibt sich auf die Reise ins Bild. Häusler Contemporary
„Die Hand lernt beim Malen“, sagt die Künstlerin Alejandra Seeber und begibt sich auf die Reise ins Bild. Häusler Contemporary

Die argentinische Malerin Alejandra Seeber lotet die Möglichkeiten zwischen Figuration und Abstraktion aus.

LUSTENAU „Ambigu“ lautete 2010 der Titel einer Malereiausstellung im Kunstmuseum St. Gallen, die den Gegensatz zwischen figurativen und abstrakten Bildtraditionen thematisierte. Unter den teilnehmenden zeitgenössischen Kunstschaffenden war auch die argentinische Malerin Alejandra Seeber. „Ambigu“ heißt so viel wie „zweideutig“ oder „unentschieden“ und beschreibt auch heute noch auf pointierte Weise das Schaffen der Künstlerin. Bei Häusler Contemporary in Lustenau zeigt Alejandra Seeber ausgewählte Gemälde aus den letzten vier Jahren sowie Arbeiten aus ihrer jüngsten Werkserie.

Die Hand lernt

In „Getaways“, wie eine Werkreihe von 2014/15 und zugleich auch die aktuelle Schau im Lustenauer Millennium Park betitelt ist, lotet die Malerin farbstark, in bunten leuchtenden Bildern und auf ungemein erfrischende Weise die Traditionen ihres Mediums aus. Diese malerischen „Ausflüge“ verweisen auch auf den offenen Malprozess, der sich als Reise mit ungewissem Ausgang vollzieht. „Die Hand lernt beim Malen“, sagt die Künstlerin und begibt sich auf die Reise ins Bild.

Zuweilen großformatig, lassen sich die Werke von Alejandra Seeber zwar ein Stück weit „lesen“, aber der Erzählstrang der Künstlerin ist keineswegs linear. Neben Figurativem, neben scheinbar leicht zu entschlüsselnden Versatzstücken von dinglicher Welt, finden sich abstrakte Elemente, geometrische Formen. Sujets deuten sich an und lösen sich im gleichen Moment, in dem sie sich formieren, schon wieder in expressiver Farbigkeit auf.

Zudecken, Aufdecken

Diesem Moment des Dynamischen, das den Gemälden von Alejandra Seeber innewohnt, entspricht auch der Pinselstrich der Künstlerin. Zeichnerisch-grafische Partien wechseln sich im Bild mit malerisch-meditativen (Farb)Räumen ab. Schnell, aber keineswegs flüchtig, verstrickt Alejandra Seeber Motive und Strukturen. Mit leichter Hand legt sie Schlaufen, wie lose gehäkelte Luftmaschen, die sich zu einem Drahtgeflecht oder Gitternetz verdichten, übers Bild. „Knitt whale“ oder „Huge Knitt“ heißen Beispiele für diese malerische Vorgehensweise, bei der es um Überarbeiten und Zudecken, zugleich aber auch um Offenbaren und Darlegen geht.

In der Arbeit „Bags“ lugen beispielsweise unter einem Geflecht zwei Paar rosa-fleischfarbene Beine hervor. Aus einem „Loch“ im Gitterkonstrukt schaut eine Damenhandtasche heraus. „Heel/Pond“, mit einem rot-geschuppten Bein, das in einem Stöckelschuh steckt, ist ein anderes Werk aus diesem facettenreichen OEuvre, das schmunzeln lässt und nachdenklich macht, vor allem aber immer wieder zu überraschen vermag. AG

Zur Person

Alejandra Seeber

Malerin

Geboren 1968 in Buenos Aires/Argentinien

Ausbildung Studium in Argentinien und den Vereinigten Staaten

Laufbahn zahlreiche Ausstellungen, u.a. El Museo del Barrio in New York, Museo Thyssen Bornemisza in Madrid, Fondazione Querini Stampalia in Venedig

Wohnort Buenos Aires, New York

Die Ausstellung ist bei Häusler Contemporary, Haus 2226, Millenium Park 20, in Lustenau, bis September 2018 zu sehen, geöffnet Mo bis Fr, 8.30 bis 17.30 Uhr.