Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Vom Mut des Dichters

11.05.2018 • 17:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Michael Köhlmeier ist ein bereits arrivierter Dichter. Wenn er ein neues Buch herausbringt, dann folgt ihm das deutschsprachige Feuilleton, stellt die Neuausgabe vor, lobt sie oder kritisiert sie auch. In jedem Fall wird Köhlmeier als Autor wahrgenommen. So wie er in den letzten Tagen aber die Nachrichten in Radio und Fernsehen ebenso wie in den Zeitungen bestimmt hat, so kann er das mit seiner Literatur kaum erreichen. Aber er kann es, wenn er sich als Dichter politisch äußert. Seine Rede vor einer Woche im Parlament bei der Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus löste Reaktionen in einer Heftigkeit aus, wie das nur ein Dichter zuwege bringt.

Das zeigte sich in den letzten Tagen nicht nur bei Köhlmeier, das zeigte sich auch bei Josef Winkler und seiner Rede anlässlich des Festaktes „500 Jahre Klagenfurt“. Beide nahmen die Freiheitlichen aufs Korn, weil sich aus dieser Partei „fast im Wochenrhythmus“ seit Jahren rechte bis antisemitische Äußerungen häufen. Beide taten das mit deutlichen Worten. Bei beiden erfolgte die Reaktion wie erwartet: Vertreter der Freiheitlichen unterstellten ihnen „persönliche Aversionen gegen die FPÖ“, Klubobmann Walter Rosenkranz geht noch weiter und meint in Umkehrung der Verhältnisse, dass Köhlmeier „die Ungeheuerlichkeit des Holocausts verharmlost und gleichzeitig eine Million österreichische Wählerinnen und Wähler pauschal verunglimpft“. Da führt sich Rosenkranz zwar selbst an der Nase vor, trotzdem muss man heftigst widersprechen. Nicht zuletzt: Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz irrt, wenn er Köhlmeier wegen seines Hinweises zur Schließung der Fluchtrouten angreift. Köhlmeiers Vergleich zur Schließung der Grenze in die Schweiz zur Zeit des Nationalsozialismus und die Schließung der Balkanroute, die sich Kurz auf die Fahnen heftet, ist historisch schlüssig.

Michael Köhlmeier hat meine Verteidigung nicht notwendig, das haben schon alle wichtigen Schriftstellerverbände Österreichs von der Grazer Autorenversammlung über den PEN bis zur IG Literatur und ebenso viele Personen aus der Zivilgesellschaft besser erledigt. Trotzdem ist es mir ein Anliegen, anzumerken, dass es mich stolz macht, dass ein Dichter aus Vorarlberg den Mut aufbringt, in der größten denkbaren Öffentlichkeit klare Worte für die damals Verfolgten und Umgebrachten und gegen heutige politische Verharmlosung damaliger Verhältnisse zu finden.

„Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz irrt, wenn er Köhlmeier wegen seines Hinweises zur Schließung der Fluchtrouten angreift.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.