Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Mit Glamour und Geist

13.05.2018 • 19:21 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bei internationalen Filmfestspielen wie jenen in Cannes wurde von Frauen lange Zeit in erster Linie erwartet, schön zu sein. Dabei auch durch Klugheit, Stärke, Esprit und Weitsicht aufzufallen, ist einzelnen Vertreterinnen der Branche gelungen, seit es derlei Auftrittsplattformen gibt. Glamour und Geist schließen einander nicht aus, obwohl einige der sogenannten Influencer derzeit in den sozialen Netzwerken daran arbeiten, diesen Anschein zu erwecken.

Cannes ist glücklicherweise real und steht nun auch für einen Auftritt, der manchem nicht sympathisch ist, der es sich in seiner Machtposition gemütlich eingerichtet hat. Prominente Künstlerinnen nutzten das renommierte Podium, um eine gerechtere Verteilung der Jobs zu fordern. Im Klartext heißt das, dass es Frauen auch im Bereich der Kunst schwer gemacht wird, in Führungsetagen vorzudringen.

Venedig, wo – abgesehen von einem weiteren Filmfest – im biennalen Rhythmus eine große Kunst- und eine Architekturschau stattfinden, bietet ein gutes Beispiel für die Abbildung des Themas mit Österreich-Bezug. Verena Konrad kuratiert heuer den Austria-Pavillon, für den sie Teams mit Architektinnen und Architekten einlud und darauf beharrt, neben oder besser noch vor dem als Gestalter geladenen Designer Stefan Sagmeister seine kreative Kollegin Jessica Walsh zu nennen. Im nächsten Jahr ist die Kunst dran. Nach heftiger Kritik hat Kuratorin Felicitas Thun-Hohenstein gleich nach ihrer Bestellung angekündigt, dass der Pavillon 2019 einer Künstlerin gehört. Österreich hatte dort in über hundert Jahren zahlreichen Männern, aber noch nie einer Frau einen Einzelauftritt zugetraut. Mit Renate Bertlmann wird sich das ändern.

Christa Dietrich

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