Subversive Autorin und brillante Stilistin

13.05.2018 • 19:21 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Olga Flor bei den Droste-Literaturtagen in Meersburg. Voith
Olga Flor bei den Droste-Literaturtagen in Meersburg. Voith

Die österreichische Schriftstellerin Olga Flor erhielt den Droste-Literaturpreis.

Meersburg Während die Droste-Literaturtage in Meersburg seit 1948, dem hundertsten Todestag der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, jährlich stattfinden, wird der Droste-Preis seit 1957 nur alle drei Jahre verliehen. Somit war die österreichische Autorin Olga Flor (geb. 1968) die 20. Preisträgerin.

Von Komik und Subversion sprach Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, in seiner Laudatio. Olga Flor stehe in einer guten österreich-geprägten Linie mit Jelinek, Bachmann und Streeruwitz. Auch wenn ihr jüngster Roman „Klartraum“ von ganz banalen Dingen zu handeln scheine, von einer Frau, die vom verheirateten Liebhaber verlassen wurde und die Trennung nicht verkraftet, kümmere sich Flor wenig um ihre Vorgänger, sondern erzähle von einer alle Dimensionen sprengenden Liebe: „Sie beschreibt keine Gefühle im Kuschelmodus.“ In ihrer überzeugend ungezähmten Rückschau erkenne die Protagonistin, dass Liebe anarchisch sei und sich nicht steuern lasse. In einem breiten Exkurs verglich Moritz den Roman mit „Kollateralschaden“ von 2008. Auch hier gebe es ein spannungsreiches Panorama voller verletzter Individuen. Moritz lobte Flors großes Erzählgeschick, ihre Subversivität und Sprachgewalt, die verblüffenden Sprachbilder. Ihre Komik sei böse und abgründig zugleich, kurz: „Wir ehren eine subversive Autorin und brillante Stilistin.“ Die Jury lobte ihre akribische Analyse, ihre satirische Sprachmaske, die dem Inneren Monolog breiten Raum gebe.

Den seit 2003 verliehenen Literaturförderpreis erhielt die Schweizer Autorin Julia Weber für ihren Romanerstling „Immer ist alles schön“. chv