„Wie Sport, aber mit mehr Gefühl“

14.05.2018 • 18:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Elisso Gogibedaschwili ist ein Stück dann erlernt, wenn sie es, so wie nun in London, im Konzertsaal aufgeführt hat. VN/paulitsch
Für Elisso Gogibedaschwili ist ein Stück dann erlernt, wenn sie es, so wie nun in London, im Konzertsaal aufgeführt hat. VN/paulitsch

Geigerin Elisso Gogibedaschwili (18) hat eine Tournee absolviert und startet erneut durch.

Christa Dietrich

Schwarzach, Lustenau Zitierfähige, äußerst anerkennende Kritikeraussagen gibt es mittlerweile zuhauf, Elisso Gogibedaschwili beeindruckte schließlich bereits als Zwölfjährige auf der Bühne. Gerade von Konzerten in London und San Remo zurückgekehrt und in Vorbereitung für einen Auftritt beim Alba Festival Ende Mai, zu dem sie die Pianistenlegende Bruno Canino persönlich eingeladen hat, um gemeinsam mit der Vorarlbergerin zu spielen, erweist sich die Geigerin als geerdete Interviewpartnerin. Ein wenig kalte Füße habe sie angesichts des Spiels mit Canino schon, gibt sie zu, dass ihr Lampenfieber bekannt ist. Allerdings zählt Elisso Gogibedaschwili nicht zu jenen Adrenalin-Junkies, die in jungen Jahren bereits einen Auftritt nach dem anderen absolvieren, weil sie den Kick brauchen, den das Spiel vor Publikum auslöst.

Betreut von einem Manager zählen Konzerte in Europa, den USA oder in der chinesischen Stadt Tianjin dennoch bereits zu den erklommenen Karriere-Stufen. Toronto und das amerikanische Lancaster stehen im kommenden Jahr auf dem Tourneeprogramm, im Kunsthaus Bregenz wird man sie noch heuer hören können.

Ein Ensemble gründen

In Hohenems geboren und in Lustenau als Tochter der Musiker Cecilia und Irakli Gogibedaschwili aufgewachsen, war der Weg für sie nicht vorgezeichnet. Als Pianistin, „die weiß, wie hart das Business ist“, war die Mutter keineswegs erpicht darauf, das hochbegabte Mädchen in Richtung einer Solistenkarriere zu bugsieren. Im Hause Gogibedaschwili pflegt man die offene Auseinandersetzung. Mit dem als Chef des Kammerorchesters „Arpeggione“ bekannten Vater, der sie auch insofern fördert, als er sie seit Jahren Woche für Woche zu ihrem Professor Josef Rissin an die Hochschule in Karlsruhe chauffiert, sei sie künstlerisch nicht immer einer Meinung. Dass es ihrem Wesen entspricht, die Musik in den Mittelpunkt des Lebens zu rücken, durfte die Geigerin selbst herausfinden. „Es ist wie Sport, aber mit mehr Gefühl“, resümiert sie das mitunter mühsame Erlernen des Handwerks, nach dem sie sich nun als „Erwachsene“ bezeichnet, der es klar ist, dass es in puncto Ausweitung des Repertoires noch „viel Luft nach oben“ gibt. Wenn sie nun Stücke von älteren Kollegen hört, die sie schon als Kind spielte, werde ihr die Bandbreite der Interpretation jeweils erneut bewusst. Mendelssohn, Tschaikowsky, Schostakowitsch oder Beethoven stehen gerade im Mittelpunkt ihres Interesses, grundsätzlich erachtet sie ein Stück dann als erlernt, wenn sie es im Konzertsaal aufführt. Mit Orchestern hat sie oft gespielt, der Kammermusik möchte sie sich bald zuwenden, ein Ensemble gründen. Ein Netzwerk, das sich Elisso Gogibedaschwili geschaffen hat, ermöglicht es, obwohl sie auch noch das Musikgymnasium in Feldkirch besucht, aber längst erfahren hat, dass es mit einiger Energie zu schaffen ist, auch von Vorarlberg aus den Anschluss am internationalen Musikgeschehen zu intensivieren.

„Bruno Canino hat mich persönlich eingeladen, da habe ich schon etwas kalte Füße.“

Zur Person

Elisso Gogibedaschwili

Geboren 2000 in Hohenems

Ausbildung Musikgymnasium Feldkirch, Studium bei Prof. Josef Rissin in Karlsruhe

Tätigkeit Geigerin, seit Jahren Auftritte mit verschiedenen Orchestern und Solisten

Wohnort Lustenau

Die nächsten Auftritte von Elisso Gogibedaschwili finden am 30. und 31. Mai beim Alba Festival statt. Am 26. Juli spielt sie mit Nargiza Alimova im Kunsthaus Bregenz.