Damit Unvertrautes vertraut werde

17.05.2018 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die „tonart“-Sinfonietta unter Markus Pferscher mit dem Solisten Alexander Swete gestern Abend im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems. Emsiana/Mathis
Die „tonart“-Sinfonietta unter Markus Pferscher mit dem Solisten Alexander Swete gestern Abend im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems. Emsiana/Mathis

Festival Emsiana wurde gestern Abend mit einem Plädoyer für die Kunst und die Kulturhauptstadt eröffnet.

Hohenems Das musikalische Programm der Emsiana ist auch im Jubiläumsjahr vielfältig, folgen doch auf Jazz bis Sonntagabend noch Weltmusik und Klezmer. Den Start der zehnten Auflage im weitesten Sinn klassisch zu gestalten, hat sich, wie sich am gestrigen Abend im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems zeigte, bewährt. Für Überraschungen ist Markus Pferscher (51) als Leiter der „tonart“-Sinfonietta immer gut, lud er doch nicht nur mit Alexander Swete (54) einen Gitarristen aus Vorarlberg mit sagenhafter internationaler Karriere zu sich aufs Podium, der gefragte Interpret und Hochschulprofessor bot mit dem Konzert in D-Dur, op. 99 von Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968) ein Werk, in dem die Sprache der Romantik mit dem Folk eine wunderbare, hoch anspruchsvolle, von Rhythmus akzentuierte Verbindung eingeht. Und nicht nur das, in Hohenems, in der Stadt, in der neben dem Grafenpalast ein architektonisch besonders markantes jüdisches Viertel die Geschichte vergegenwärtigt, erhält die Begegnung mit dem Schaffen dieses Musikers besondere Bedeutung. Castelnuovo-Tedesco emigrierte wegen seiner jüdischen Herkunft im Jahr 1939 von Italien in die Vereinigten Staaten, wo auch der Filmkomponist John Williams zu seinen Schülern zählte.

Denkanstöße zur Entwicklung

Die „Ankunftssinfonie“ von Johann Sperger (1750-1812) mit nach und nach auftauchenden Orchestermitgliedern an den Beginn zu stellen, ist nicht nur eine reizvolle Idee, der immer satter werdende Orchesterklang, der später bzw. am Ende bei der „Abschiedssinfonie“ von Haydn (1732–1809) entsprechend farbenreich zum Tragen kam, überzeugte das Publikum erneut davon, dass in Hohenems auch dank
des Schubertiade-Geschäftsführers Gerd Nachbauer bei Erhalt der alten Bausubstanz Säle mit hervorragender Akustik entstanden sind.

Für die vom Unternehmer Markus Schadenbauer-Lacha (44) initiierte Emsiana spreche, dass sie, wie Kulturlandesrat Christian Bernhard (55) betonte, in kurzer Zeit identitätsstiftend wurde. Bürgermeister Dieter Egger (49) nahm die Eröffnung zum Anlass, Vertretern der Landespolitik den hohen Stellenwert der Kultur gerade im Hinblick auf den Wirtschaftsstandort, als den sich die Region sieht, in Erinnerung zu rufen. Man habe ein „wunderbares Fundament für die Kulturhauptstadt“, verwies er auf die Tatsache, dass Hohenems gemeinsam mit Dornbirn, Feldkirch und dem Bregenzerwald eine Bewerbung um den Titel im Jahr 2024 in Betracht zieht. Angelika Fitz (51), die in Hohenems gebürtige und in Altach aufgewachsene Leiterin des Architekturzentrums Wien, betrachtete die Stadtentwicklung aus philosophischer Perspektive, um mit Stichworten wie „urbane Gelassenheit, kritische Selbstbeobachtung und zivilisatorische Errungenschaft“ Bewohnern der Stadt Hohenems und ihres Umlands gute Denkanstöße zu liefern. VN-cd

„Die Stadt kann uns mit ihrer Fülle beflügeln und zu Weltbürgerinnen machen.“

Im Rahmen der Emsiana findet heute, 20.30 Uhr, ein Konzert mit dem Fatima Spar Quintett im Salomon-Sulzer-Saal statt: www.emsiana.at