Von Stoph Sauter und einem Jeff, der gottlob kein Koons ist

Kultur / 17.05.2018 • 19:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vorarlberger bespielt den Engländerbau und kuratiert gleich noch eine bombige Ausstellung.

Vaduz, Ruggell Sich wegen eines Jeff Koons sofort nach Liechtenstein aufzumachen, würde sich auch nicht rentieren, wenn sich dorthin, nämlich ins Küefer-Martis-Huus in Ruggell, wirklich ein Werk des mittlerweile total ins Kommerzielle abgedrifteten Amerikaners verirrt hätte. Mit „1&0“ betitelt der Vorarlberger Künstler Stoph Sauter (55), die von ihm kuratierte Ausstellung, in der die semantische, philosophische oder auch zeithistorische Bedeutung von Wörtern und Zahlen in Anlehnung an das eigene Werk eindrücklich thematisiert wird. Bei Jeff Koons kommt auch der Tauschwert als Idee dazu, machte er, wie er erzählt, gemeinsam mit Benny Gleeson doch in New York einen Namensvetter des bekannten Skulpturenschöpfers ausfindig, der der abstrakten Malerei zwar nicht viel, aber en miniature doch Sehenswertes hinzuzufügen hat. Während das Leben selbst, die Sehnsüchte, Erwartungen und Anforderung von Heide C. Heimböck, Jeanette Müller oder Gleeson zum Thema von Objekten und Interventionen werden, befassen sich Gabriele Bösch, Günter Vallaster, Gernot Bösch und auch Rey Zorro und Sauter selbst konkret mit Sprache oder Zeichen und schufen damit Teile einer insgesamt sehr kompakten, qualitätsvollen Schau, die in den alten Räumen bestens verortet ist und in einem Objekt von Frank Mätzler gipfelt, das als Nachbau einer 1945er-Atombombe verdeutlicht, dass das, was eine Katastrophe anrichtet, kein großes Maß haben muss.

Das Schauen und Denken

Mit derlei Bildern im Kopf, lässt man die Sprach-Licht-Installation „Fast Schnell“, mit der Stoph Sauter den Kunstraum Engländerbau in Vaduz bespielt, vielleicht fast noch länger auf sich wirken. Das englische „Fast“, mit dem Sauter spielt, bleibt außen vor, denn so lange, bis alle Begriffe in roten Lettern auf der rotbeleuchteten Wand auszumachen sind, will man bleiben. Ist doch „wahr, nicht wahr?“, ist dem Künstler zuzurufen, der mit wanderndem Laserlicht, Farbe und Glas einen Raum schafft, in dem das Design zwar noch eine Rolle spielt und diese auch spielen soll, der aber ganz und gar unplakativ und klug auf Kontemplation, Denken und Nachdenken abzielt. VN-cd

Installation von Stoph Sauter und Objekt von Frank Mätzler. Sauter
Installation von Stoph Sauter und Objekt von Frank Mätzler. Sauter

Zur Person

Stoph Sauter

Geboren 1963 in Dornbirn

Ausbildung Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien

Werdegang Seit 1987 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. Ausstellung am Vorplatz des Vorarlberg Museum in Bregenz

Preise u. a. Staatsstipendium für bildende Kunst

Geöffnet im Engländerbau Vaduz (www.kunstraum.li) bis 3. Juni und im Küfer-Martis-Huus in Ruggell bis 10. Juni (www.kmh.li)