Geigerin möbelte Vorarlberger Bläserformation auf

Kultur / 03.06.2018 • 17:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die beiden neuen Publikumslieblinge des CSM: in der Mitte Solist Johannes Hinterholzer am Naturhorn, zweite von links die agile Konzertmeisterin Maria Bader-Kubizek. JU
Die beiden neuen Publikumslieblinge des CSM: in der Mitte Solist Johannes Hinterholzer am Naturhorn, zweite von links die agile Konzertmeisterin Maria Bader-Kubizek. JU

Concerto Stella Matutina sorgte neu formiert für Kurzweil und Staunen.

GÖTZIS. Seit dem Abokonzert am Wochenende in der ausverkauften Bühne Ambach hat die große Concerto-Stella-Matutina-Familie zwei neue, bislang unbekannte Publikumslieblinge. Als fantastischer Vertreter seiner Zunft erwies sich der Salzburger Hornist Johannes Hinterholzer, der sein „göttliches Instrument“ in beeindruckender Vielfalt und Virtuosität vorstellte. Das traf im Blasmusikland Vorarlberg, wo das Horn einen hohen Stellenwert besitzt, den Nerv des Publikums. Zum Zweiten wirkte als Konzertmeisterin dieses eine Mal die Niederösterreicherin Maria Bader-Kubizek, die das Ensemble mit neuen Impulsen und spannenden Momenten aufmöbelte.

Diese Geigerin strotzt nur so vor Tatkraft. Wenn es um die Sache selbst geht, dann duldet Maria Bader-Kubizek keine Kompromisse, ist sie ein Ausbund an Korrektheit und Präzision. Doch wenn die Musik dann in ihrem Sinn gelungen ist, strahlt sie wie eine Schneekönigin und bezieht Bühne und Saal spontan in ihre Freude mit ein. Eine erfrischende Begegnung, die man sich hier öfter wünschen würde. Gleich bei einer temporeichen Haydn-Ouvertüre klingt das in veränderter Streicheraufstellung angetretene CSM unter ihrer Leitung auch anders als sonst, frischer, kompakter und ohne Scheu vor aufgerauten Elementen, wie sie im Barock heute anstelle von zu viel glatter Schönheit üblich sind. Dieser Eindruck setzt sich in der Symphonie „La chasse“ von John Marsh fort, bei der die hauseigenen Hornisten Christoph Ellensohn und Herbert Walser-Breuß viel zu tun haben. In der abschließenden Mozart-Symphonie Nr. 28 beweist die originelle Leiterin dann auch ihr Gespür für glasklare kleine Soli und graziöse Tempi der Mittelsätze.

„Das weiß nur Gott“

Als Opener zum Thema Horn marschiert eine über 15-köpfige Horngruppe durch den Saal und stimmt auf der Bühne, mit dem Schalltrichter gegen das Publikum, eine Jagdfanfare an, nicht immer sauber, aber laut und lustig. Neben Gästen haben für diesen übermütigen Gag auch Ensemblemitglieder aus der Streichergruppe wie die Münchner Geigerin Hildegard Senninger oder Cellist Thomas Platzgummer zum Horn gegriffen. Mit Johannes Hinterholzer debütiert dann ein absoluter Meister des ventillosen Naturhorns aus der Barockzeit, um das es hier geht. Mit heiteren Einführungen in die komplizierte Anblas- und Stopftechnik seines Instruments, mit deren Hilfe man neben der Naturtonreihe auch chromatisch spielen kann, erweist er sich zunächst als sympathisch kenntnisreicher Plauderer. Mozarts Hornkonzert Es-Dur, in dem humorvoll auch die gefürchteten Kiekser und landläufigen Fehler eines Hornisten bewusst einkomponiert sind, bietet ihm dann die ideale Vorlage für seine großartige Kunst auf diesem Instrument, unglaublich feinfühlig assistiert vom Orchester. Souverän steuert er durch alle Lagen und Farben, seine Atemtechnik ist ebenso bewundernswert wie jene des sekundengenauen Wasserauslassens zwischen seinen Einsätzen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch in einem Doppelkonzert von Michael Haydn zusammen mit dem tollen Barockposaunisten Stefan Konzett. Das Publikum jubelt lauthals und erfährt von Thomas Platzgummer, warum das Horn das „göttliche“ Instrument heißt: „Man bläst oben hinein, und was unten herauskommt, weiß nur Gott.“

Nächstes Abokonzert Concerto Stella Matutina, Götzis, Ambach: 12. Oktober, „Familienangelegenheiten“ (Leitung und Solist: Alfredo Bernardini, Oboe)