Gruseln oder Grinsen, beides ist möglich

Kultur / 06.06.2018 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis zeigt „Neue Schwarze Romantik“ und hat dabei Österreicher im Schlepptau.

Christa Dietrich

Bregenz Wer einen Ausstellungsrundgang gerne mit einem aussagekräftigen Intro beginnt, begibt sich am besten zuerst in den Keller des Künstlerhauses. Dort läuft mit „The Pendulum, the Pit and Hope“ des berühmten tschechischen Surrealisten Jan Svankmajer (geb. 1934 in Prag) ein moderner Klassiker, der wiederum auf eine Horrorgeschichte eines Autors verweist, der als Edgar Allen Poe den literarischen Kanon erweiterte. Es handelt sich dabei um das älteste Werk in einer Ausstellung, die, kuratiert von Christoph Tannert für das Künstlerhaus Bethanien in Berlin, aus Arbeiten zusammengestellt wurde, die in den letzten Jahren entstanden sind und dennoch ein uraltes Thema behandeln: Schaudern war Ende des 18. Jahrhunderts in Malerei und Literatur durchaus angesagt, dem Irrationalen sollte Ausdruck verliehen werden. Nicht nur als Gegenpol zum rationalen Denken, das die Aufklärer propagierten, denn wenn die Vernunft außen vor blieb, kippte das Geschaffene schon damals rasch in den puren Kitsch. Herausragende Arbeiten dieser Zeit gelangen etwa Johann Heinrich Füssli, Arnold Böcklin, Caspar David Friedrich oder Edvard Munch.

Interessant und ernüchternd

Dass die Werke nach wie vor ungeheure Anziehungskraft haben, bestätigte die Großausstellung „Schwarze Romantik“ vor einigen Jahren im Städel-Museum in Frankfurt, für die Ikonen der Kunstgeschichte von Goya bis Max Ernst zusammengetragen wurden. Sie hallt immer noch nach, hatte nicht nur Theaterprojekte zur Folge, sondern führte zur Frage, inwieweit sich das Thema in der Gegenwart zeigt. Dieser geht auch die Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs im Bregenzer Palais Thurn und Taxis nun mit Werken von knapp 30 Künstlern nach. Das Ergebnis ist interessant und ernüchternd, das Qualitätsspektrum groß, von Gruseln bis Grinsen ist für den Besucher alles drin.

Die Mühe, das Land nach Beispielen abzusuchen, hat man sich nicht gemacht, obwohl gerade dieser Veranstalter dazu aufgerufen wäre, zumindest in einem sichtbaren Rahmenprogramm zur übernommenen Schau „Neue Schwarze Romantik“ eine Anbindung an die Region herzustellen. Es ist schließlich vieles gruselig, aber nicht alles Schrott, was hier produziert wird. So bleibt man im Keller wohl gleich bei Greta Alfaro (geb. 1977 in Pamplona), die eine gedeckte Tafel den Geiern überlässt und damit einen Film schuf, der sich auch politisch auflädt. Ähnlich Starkes gelingt den Quay Brothers (geb. 1947 in Norristown), die sich mit Robert Walser oder Gogol beschäftigten und dabei auch noch die „Geschichten aus dem Wienerwald“ anklingen lassen. Bei den Gemälden fällt sofort Iris van Dongen (geb. 1975  in Tilburg) auf, die sich zwar dem Gothic-Bereich annähert, bei der Farb- und Materialwahl für ihre romantischen Sujets aber so viel Könnerschaft zeigt, dass nichts beliebig wirkt. Unter viel Gleichförmigem mit etwas viel Fantasy vom Erdgeschoß bis in den Dachboden stechen etwa Ruprecht von Kaufmann (geb. 1974 in München) als Geschichtenerzähler oder Philip Topolovac (geb. 1979 in Würzburg) mit seiner ironischen Arbeit zu Landschaft und Technik heraus.

Während etwa Andrey Klassen (geb. 1984 in Irkutsk) und Gregor Hildebrandt (geb. 1974 in Bad Homburg) auf unterschiedliche Weise ein Schwarz einbringen, das Beschäftigung evoziert, sind die verschlungene Harfe von Alexandra Baumgartner (geb. 1973 in Salzburg) oder gar ihr Klavierbein weniger verstörend als dekorativ. Die Österreicherin hätte für diesen Kontext mehr zu bieten. Markus Proschek (geb. 1981 in Schwarzach im Pongau) behandelt den Schönheitsbegriff in der Diktatur, Bertram Hasenauer (geb. 1970 in Saalfelden) erweist sich mit seinen Figuren als Poet, während Berthold Bock (geb. 1967 in Salzburg) mit seinem „Nachtwald“ eine typische Anknüpfung an das Thema bietet, das im Foyer mit Martin Eder (geb. 1968 in Augsburg) ungemein laut daherkommt. So viel Heavy-Metal, wie vorne draufsteht, ist allerdings eh nicht drin in der Schau.

Die Ausstellung vereint Arbeiten von knapp 30 Künstlern, darunter sind moderne Klassiker wie Jan Svankmajer. VN/Paulitsch
Die Ausstellung vereint Arbeiten von knapp 30 Künstlern, darunter sind moderne Klassiker wie Jan Svankmajer. VN/Paulitsch

Geöffnet im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz (Gallusstraße 10) bis 1. Juli, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So, 11 bis 17 Uhr.