„Es war ein schönes Jahrzehnt“

Kultur / 08.06.2018 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schauspieler, Rezitator und Musiker Hans Sigl sieht es mit Augenzwinkern, wenn jemand „Hallo Doc“ ruft.AP
Schauspieler, Rezitator und Musiker Hans Sigl sieht es mit Augenzwinkern, wenn jemand „Hallo Doc“ ruft.AP

Der Literaturkenner und „Bergdoktor“ verbrachte einen Teil seiner Jugend in Vorarlberg.

Hohenems Klar, man kennt ihn als Martin Gruber in der TV-Serie „Der Bergdoktor“ oder von Krimireihen. Literaturfreunde erinnern sich aber dennoch daran, dass Hans Sigl früher am Tiroler Landestheater zu erleben war und sie wissen, dass er nicht nur Klassiker ausdrucksstark vermittelt. Die Reihe der Hörbücher, die er mittlerweile eingesprochen hat, ist bald so lang wie die der Filme, in denen er mitwirkte. Dabei war und ist Hans Sigl zudem der Rockmusik zugetan. Daneben im Rahmen der Schubertiade einen Schumann-Schubert-Liszt-Abend mitzugestalten, ist kein Problem, repräsentiert diese Seite des Schauspielers doch, dass es nicht zwischen ernsthaft und unterhaltend zu unterscheiden gilt, sondern nur zwischen gut oder schlecht.

 

Sie haben einen Teil Ihrer Kindheit bzw. Jugend in Vorarlberg verbracht. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Vorarlberg?

Sigl Wunderbare, prägende Erinnerungen. Schule, Matura, erste Band, Jugend, Erwachsenwerden. Es war ein schönes Jahrzehnt, das ich in Vorarlberg verbracht habe. Viele Freundschaften bestehen heute noch.

 

Gibt es Orte im Land, die Ihnen besonders gut gefallen, die Sie gerne wieder einmal aufsuchen würden?

Sigl Leider bin ich nur noch sehr selten da, aber erstmal geht es mit meinen Freunden in den Proberaum und es wird gejammt.

 

Welche Art von Literatur spricht Ihr Herz und regt Ihr Hirn denn besonders an? Als Schauspieler hat man ein breites Repertoire intus, dennoch haben Sie vielleicht Vorlieben.

Sigl Es geht mir immer um die Geschichten und da wechseln die Autoren, zwischen der Moderne und den Klassikern. Zurzeit beschäftige ich mich intensiver mit Franz Kafka.

 

Haben Sie mittlerweile eine besondere Affinität zu Schubert, Schumann, Liszt oder Max von Schillings entwickelt?

Sigl Ich muss gestehen, dass mir erst Helmut Deutsch, mit dem ich die Melodramen lesen darf, die Tür geöffnet hat. Sonst bin ich eher ein Fan der großen Orchestrierungen.

 

Inwiefern haben Sie Faszinierendes in der Literatur entdeckt, die Sie nun bei der Schubertiade in Hohenems vortragen?

Sigl Das Faszinierende ist die Aktualität der Texte. Es ein großartiges Erlebnis in die „alten Schinken“ einzutauchen und festzustellen, wie zeitgenössisch die Inhalte und Bezüge sind.

 

Sie besprechen auch Hörbücher. Fontane, Zweig, Kafka gibt es schon zu hören. Was kommt noch?

Sigl Im Herbst kommt noch ein Krimi von Bernhard Aichner und wir arbeiten an der Umsetzung einiger großen Dramen.

 

Stört es Sie, gelegentlich als „Bergdoktor“ angesprochen zu werden?

Sigl Überhaupt nicht. Es ist einfach so, dass meine Rolle als „Bergdoktor“ von allen meinen Tätigkeiten am bekanntesten ist, und insofern sehe ich es mit einem Augenzwinkern, wenn jemand „Hallo Doc“ ruft. VN-cd

Zur Person

Hans Sigl

Geboren 1969 in Rottenmann (Stmk.), aufgewachsen u. a. in Vorarlberg

Ausbildung am Tiroler Landestheater als Schauspieler, Sänger und Tänzer

Tätigkeit u. a. Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater, zahlreiche Film- und TV-Rollen, darunter „Der Bergdoktor“, Rezitator u. a. Literaturklassiker für Hörbuchserien

Melodramenabend mit Hans Sigl (Rezitation) und Helmut Deutsch (Klavier), 10. Juni, 16 Uhr, Markus-Sittikus-Saal, Hohenems.