Spirituelles Erlebnis der besonderen Art

Kultur / 11.06.2018 • 17:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Rahmen des Konzerts fanden Uraufführungen von David Helbock, Martin Lindenthal und Simon Frick statt. JU
Im Rahmen des Konzerts fanden Uraufführungen von David Helbock, Martin Lindenthal und Simon Frick statt. JU

Ein „Musikalischer Spaziergang“ führte nach St. Arbogast und zu drei Komponisten.

GÖTZIS Es war die perfekte Mischung aus überschäumender Kreativität, viel Feingefühl und Fantasie, aus denen „Pforte“-Kurator Klaus Christa eine über einstündige Collage zum Thema „Wachsen“ konzipierte, nein: komponierte. Eine komplexe Abfolge aus Chorteilen, Violasoli und Synthy-Klängen faszinierte in ihrer stilistisch frechen Buntheit und zugleich ihrer meditativen Eindringlichkeit eine aufgeschlossene Zuhörerschar. Diese fand jüngst nach einer Wanderung ihre geistig-musikalische Einkehr im Wallfahrtskirchlein von St. Arbogast, die gesellige anschließend im naheliegenden Bildungshaus.

Drei Uraufführungen

Diese „Musikalischen Spaziergänge“, wie sie seit Jahren als beliebte Randveranstaltungen der Feldkircher „Musik in der Pforte“ angeboten werden, sprechen abseits des klassischen Konzertrituals vor allem auf spirituelle Weise an. Klaus Christa wollte diesmal nahtlos ein „Netz aus Kompositionen und Improvisationen“ um das Wachsen als Geheimnis des Lebens weben und so einen musikalischen Fluss bilden, „der uns näher zu uns selber tragen soll“. Das ist absolut nachvollziehbar für jeden, der sich dieser Gedanken- und Klangwelt öffnet, in der drei Uraufführungen von Vorarlberger Komponisten die Grundpfeiler bilden.

Klaus Christa macht auf seiner Bratsche solo den Anfang mit dem Werk „Grenzenloses Wachstum einer endlichen Welt“ von David Helbock, das sich aus endlos langen Melodielinien hin zu rockig harten rhythmischen Akzenten steigert. Das 20-köpfige gemischte Vokal­ensemble des Musikgymnasiums Feldkirch nimmt den letzten Ton hinten in der Kirche einstimmig auf, variiert ihn obertonreich bei der Prozession zur Apsis, dieweil Helbock die Stimmung am E-Piano improvisierend weiterführt, unterstützt von Zuko Samela auf den Congas. Daraus entwickelt sich die zweite Uraufführung von Chorleiter Martin Lindenthal nach einem eigenen Text, „Auf glitzernden Wellen des nächsten Tages“, ein vielstimmig dicht ineinander verwobenes, harmonisch klug austariertes Werk von starker Aussagekraft. Die jungen Leute geben mit frischen jungen Stimmen hingebungsvoll nach Kräften ihr Bestes. Das ist nicht perfekt, will es wohl auch nicht sein, dafür aber von größter Natürlichkeit und damit Glaubhaftigkeit, ebenso wie zwei weitere aktuelle Chorkompositionen von Ahlen und Esenvalds.

Die dritte Uraufführung, „From somewhere“, stammt von Simon Frick und ist dem jungen Bratschisten Fridolin Schöbi übertragen, der mit den mikrotonalen Anforderungen des Werkes mit einem langen Liegeton als Ausgangspunkt und verblüffenden Akkordzerlegungen blendend zurechtkommt. Helbock übernimmt, führt weiter zu seinem „Krisenloop“ mit verblüffenden elektronischen Klangeindrücken. Die Collage endet in letzter Konsequenz bei Bach als Alpha und Omega jedweder Musik. Klaus Christa auf seiner Viola mit der Allemande aus der 6. Cellosuite bildet den endgültigen Schlusspunkt unter diese bewegende Konzertstunde.

Nächste „Pforte“-Veranstaltung: Komponistinnen-Festival „Frauengeschichten“, 21. bis 24. Juni, Pförtnerhaus Feldkirch und Frauenmuseum Hittisau.