Magazin 4: Das Fragezeichen steht nur auf dem Dach

Kultur / 28.02.2019 • 19:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung im Bregenzer Magazin 4 wird am 1. März, 18 Uhr, eröffnet und ist dort bis 31. März zu sehen. VN/Paulitsch
Die Ausstellung im Bregenzer Magazin 4 wird am 1. März, 18 Uhr, eröffnet und ist dort bis 31. März zu sehen. VN/Paulitsch

Projekt „Dazwischen“ verbindet Vorarlberg mit Südtirol und enthält als ersten Schritt hochaktuelle künstlerische Positionen.

Christa Dietrich

Bregenz Für Bella Angora hat sich erfüllt, was sie sich vorgenommen hatte als sie eine Ausstellung mit Werken von Vorarlberger und Südtiroler Künstlern konzipierte. „Dazwischen“ lautet der Titel der Schau, den Besucher gerne auch auf die Geschichte beziehen können, das heißt, auf die Tatsache, dass deutschsprachigen Südtirolern und Ladinern vor Jahrzehnten die Möglichkeit eröffnet wurde, zwischen den faschistischen Diktaturen in Italien und Deutschland bzw. Österreich zu wählen. Die gezeigten Arbeiten sprechen zwar nicht unbedingt dieses Thema an, aber es ist in derartigen Gemeinschaftsprojekten wohl immer vorhanden.

Deutlich wird es nun im Bregenzer Magazin 4 wohl auch dadurch, dass Thomas Sterna (geb. 1958) nun bei seinem Besuch in Österreich dem Gebäude ein Fragezeichen aufsetzte, dem keine konkreten Hinweise auf die Absichten des Urhebers beigefügt wurden. Kulturschaffende oder Passanten bezogen es allerdings schon in den ersten Stunden nach der Errichtung auf die Funktion des Hauses. Der Verwendungszweck des Magazin 4 lässt einige Jahre nach der Beendigung der qualitätsvollen, vom ehemaligen Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz initiierten und durchgeführten Ausstellungsserie nämlich noch kein Profil erkennen. Zu heterogen und zu unterschiedlich in der Qualität war das, was in den letzten Monaten hier geboten wurde.

Kontakt intensiviert

Bella Angora, selbst als Künstlerin und Performerin tätig, ist, wie sie im Gespräch mit den VN erläutert, nun sehr angetan von der Plattform, die „alle Stücke spielt“ und ihrem Projekt, das, wie berichtet, im vergangenen Herbst in Bozen gestartet wurde, „einen super schönen Rahmen“ gibt. An der Liste der Künstlerinnen und Künstler, die in Räumen des Südtiroler Künstlerbundes vertreten waren, wurde nichts verändert, die Werke sind im Großen und Ganzen dieselben geblieben.  Der Austausch, der in Bozen in Gang gesetzt wurde, erhält in Bregenz einen zusätzlichen Aspekt, mit Textperformances, Konzerten und Dialogabenden wird der Kontakt zwischen den Künstlern und den Besuchern intensiviert.

Tätig werden sollen die Betrachter aber sowieso. Am deutlichsten tritt das in der Arbeit von Hannes Egger (geb. 1981) zu Tage. Er gibt den Besuchern nicht nur Anleitungen für eine Performance, wer möchte, kann auch ausprobieren, inwieweit er in der Lage ist, weibliche oder männliche Verhaltensweisen anzunehmen.

Die Künstlerin Bella Angora hat die Ausstellung kuratiert.
Die Künstlerin Bella Angora hat die Ausstellung kuratiert.

Alexandra Berlinger (geb. 1970) bezieht den Titel „Dazwischen“ auf die Zeit zwischen Begehren und Haben. Sie hat digitales Bildmaterial von Gegenständen gesammelt, die Menschen weitergeben bzw. verkaufen. Das scheinbar Alltägliche erhält in nachgebauter fotografisch dokumentierter Anordnung eine enorme thematische Tiefe. Dasselbe gilt für eine weiche Decke, die als Träger einer Momentaufnahme ihrer zahlreichen Desktop-Ordner fungiert.  Ingrid Hora (geb. 1976) hat ihre Auseinandersetzung mit Rollenbildern, Klischees und Tradition variiert und zeigt in Ergänzung zur Bozener Arbeit ein weitere Vidoarbeit voller Ironie. Sabine Marte (geb. 1967) stand in Bozen ein eigener Raum zur Verfügung, der eine ihrer Körperzeichnungen aufnahm und somit durch wenige Eingriffe eine komplette Veränderung erfuhr. Die vorwiegend als Videokünstlerin bekannte Trägerin des Diagonale-Preises und weiterer Auszeichnungen zeigt erneut Körperformen, konfrontiert die Betrachter aber auch intensiv mit der veränderten Raumwahrnehmung durch Film- bzw. Lichteffekte.

Ein Denkraum

Eine hochpolitische und zugleich sehr ästhetische Rauminstallation gelang Andrea Salzmann, wie berichtet, bereits bei der Erstpräsentation in Bozen, die nun noch eindrücklicher wirkt. Die Größen von hängenden Spiegelkreisen entsprechen den Zahlen aus der österreichischen und italienischen Asylstatistik der letzten Jahrzehnte. Umgeben vom Sound von Sebastian Meyer befindet sich der Besucher in einem starken Seh- und vor allem Denkraum.

Thomas Sterna, der sich in Bozen eingipste, selbst zum Kunstwerk oder gar Renditeobjekt machte, zeigt am Eröffnungsabend eine Performance, die später über Video abrufbar bleibt. Wahrnehmung und Zuordenbarkeit geraten dabei rasch ins Wanken. Auch so lässt sich das „Dazwischen“ thematisieren, das Viktoria Tremmel (geb. 1972) mit Zeichnungen zu Grenzen oder Reisen thematisiert und das Michael Fliri (geb. 1978) mit Mutationen aufreift.

Fortsetzung folgt

„Dazwischen“ verdeutlicht im Übrigen keine Unentschlossenheit, sondern den Anfang einer unbefristeten Kooperation, die in der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung mit den Kollegen der Autonomen Provinz Südtirol vereinbart wurde. Mindestens einmal im Jahr soll das Publikum davon profitieren. In Vorarlberg werden dafür 15.000 bis 20.000 Euro aufgewendet. Demnächst wird das Walktanztheater in Bozen gastieren, angedacht ist, dass das Symphonieorchester Vorarlberg in absehbarer Zeit in einem südtiroler Konzertsaal auftritt.