Künstlerhaus Bregenz: Frische Bergluft und ein Hauch von Küchendunst

Kultur / 01.03.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Künstlerhaus zeigen acht Künstler ihre Arbeiten. VN/Paulitsch
Im Künstlerhaus zeigen acht Künstler ihre Arbeiten. VN/Paulitsch

Im Künstlerhaus zeigen die acht Künstlerinnen und Künstler des SilvrettAteliers 2018 ihre Arbeiten

Bregenz Nein, der Geruch täuscht nicht. Es riecht, wenn auch sehr dezent, nach Frittenfett parkseitig, im ersten Obergeschoss des Künstlerhauses. Und tatsächlich, was wie eine Mischung aus Öllampe und Shisha aussieht, ist mit Fittieröl auf Betriebstemperatur gefüllt und lädt mit Kissen auf dem Boden zum Niedersetzen im spirituellen Kreis ein. Die Arbeit „The Holy Oil“, die einem unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht zaubert, stammt vom oberösterreichischen Künstler Matthias Göttfert, der einer von acht Teilnehmern am SilvrettAtelier 2018 war.

 Die Arbeit "The Holy Oil", die einem unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht  zaubert, stammt vom oberösterreichischen Künstler Matthias Göttfert .
Die Arbeit „The Holy Oil“, die einem unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht zaubert, stammt vom oberösterreichischen Künstler Matthias Göttfert .

Mobile Zuflucht

Das hochalpine Kunstsymposium unter der Leitung von Roland Haas findet seit 1998 im Zwei-Jahres-Intervall statt und ist 2016 von der Bielerhöhe auf die Versettla übersiedelt. Auf 2000 Metern Seehöhe richten sich die Künstlerinnen und Künstler für zwei Wochen ein temporäres Atelier ein, setzen sich mit der Natur auseinander, intervenieren in der Landschaft, hinterfragen das Eingreifen moderner Technik und dokumentieren die Auswirkungen des Tourismus in der Umwelt. Wenn also Matthias Göttfert fleht „Oh Herr, bewahre unser Tal vor dem Erkalten des Frittierfetts!“ dann preist er auf ironische Art und Weise die Allmacht des Tourismus an, der – unreflektiert – zum Glauben einer ganzen Region geworden ist. Draussen vor dem Künstlerhaus steht Alexandra Berlingers Installation „Ja gut, Du hast in der Gondel geschlafen, na und?“, die mit Bauvisieren die Form einer Gondel umreisst und dabei zugleich auf etwas Zukünftiges und auf etwas Vergangenes verweist. Eine mobile Behausung auf Zeit, angelehnt an eine traditionelle mexikanische Strandhütte, baut Germaine Koh aus gefundenem Material wie Schneestangen und Fruchtkisten.  Mit farbigen Klebefolien als Lichtfilter, deren Muster sich an den Unterteilungen der Fenster orientiert, gewährt die kanadische Künstlerin in einer eigens für den Raum konzipierten Installation zudem farbenfrohe Ausblicke in den Park.

Schneekanonen im sommerlichen Tarnanzug

Neben Arbeiten zum Thema Baustellenbilder zeigt Roland Haas ganz neue Acrylbilder, deren Motiv sommerlich-skulptural verpackte Schneekanonen sind. Für den Künstler handelt es sich dabei um eine Reihe von Porträts, die verschiedene Charaktere und Typen verkörpern. Mit eben jenen Sommerüberzügen beschäftigt sich auch Catrin Bolt und verziert die Tarnplane in aufwendiger Handarbeit mit einem Edelweiss-Muster. „Database“ heisst es beim Tiroler Reinhold Neururer der in luftgefüllten Blechkissen Felsstrukturen mit Computer-Platinen überlagert. Oberflächen sind auch das Thema von Christoph Weber, dessen abgehämmerte Bleiabdrucke beispielsweise die Holzmaserung einer Betonschalung abnehmen. Eine etwas andere „Aktivkarte Sommer Montafon“, die u.a. Aussichtspunkte zu antirassistischen Denkmälern erklärt, zeigt der aus den USA stammende Seth Weiner im grossen Format sowie als handliches Giveaway. Frische und kritische Blicke, von Natur und Technik inspiriert, auf die (scheinbare) Bergidylle, ein unterhaltsamer und vielfältiger Mix aus Medien und Herangehensweisen: Roland Haas hat bei der Auswahl der SilvrettAtelier-Teilnehmer wieder ein gutes Händchen bewiesen. Und die Fortsetzung des auf Einladung von Montafon Tourismus, dem Stand Montafon und der Silvretta Montafon veranstalteten künstlerischen Gipfeltreffens 2020 ist bereits gesichert.

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis bis 31. März geöffnet.