Dieses einzigartige Gebäude in Krems wurde von Vorarlberger Architekten geplant

Kultur / 03.03.2019 • 14:00 Uhr
Landesgalerie Niederösterreich von Marte Marte. Faruk Pinjo
Landesgalerie Niederösterreich von Marte Marte. Faruk Pinjo

Vorarlberger Marte.Marte-Architekten entwickelten Museumsbau mit internationaler Strahlkraft an der Donau.

Krems, Feldkirch Die Rebstöcke sind in diesen ersten März-Tagen noch kahl, zur Erfrischung gibt es Apfelsaft, nüchtern tanzt es sich besser, die Weingläser klirren rund um Krems ohnehin häufig. Der Weltkulturerbe-Stempel veredelt die Wachau, lastet aber auch auf ihr. Und ausgerechnet in dieser Gegend galt es, für die Sammlungen des Landes Niederösterreich ein Museum zu errichten, das explizit internationale Strahlkraft besitzen sollte. Die Vorarlberger Marte.Marte-Architekten gingen als Sieger des Wettbewerbs hervor. Als man vor knapp drei Jahren zum Spatenstich schritt, war das mittlerweile in Feldkirch ansässige Büro von Bernhard und Stefan Marte gerade als einziger Vertreter Österreichs in der zentralen Ausstellung auf der renommierten Architektur-Biennale in Venedig präsent.

Architekten Stefan und Bernhard Marte mit Landesgalerie Niederösterreich
Architekten Stefan und Bernhard Marte mit Landesgalerie Niederösterreich

Als ob es inszeniert worden wäre, schob die Sonne am gestrigen Nachmittag die Regenwolken zur Seite. Dass der Standort nahe dem Donauufer zwischen Stein und Krems ein geschichtsträchtiger Ort ist, habe man bei der Planung berücksichtigt, aber nicht so sehr die Vergangenheit, sondern vielmehr die städtebauliche Struktur, die die Architekten vorgefunden haben, habe zum Gebäude geführt, das ihm nun viel Freude bereitet, erklärt Bernhard Marte im Gespräch. Wir sitzen in der Eingangshalle, in die durch die gläsernen Rundungen so viel Licht fällt, dass die Grenzen dieses Begegnungsraumes optisch gar nicht auszumachen sind, der leicht abschüssige Stadtraum wahrnehmbar wird. Dass ein solches Ambiente kommunikationsfördernd ist, zeigt sich nach wenigen Minuten.

“Das Gebäude ist aus den Überlegungen zur städtebaulichen Anordnung entstanden.”

Bernhard Marte
Architekt

Das Gespräch wird höflich unterbrochen, eine ältere Dame muss den Architekten unbedingt mitteilen, wie schön das Museum geworden ist. “Sie werden nun sicher oft gelobt?”, fragt sie. “Meistens, aber nicht nur”, lautet die Antwort. “Gut, sonst werden sie ja zu groß”, gibt sich eine Besucherin der allerersten Stunde zufrieden. Bevor das Haus ab Mai dann seiner Bestimmung übergeben wird und Kunstwerke zur Geltung bringt, was Museumsdirektor Christian Bauer beim Rundgang zu manch schwärmerischer Äußerung verleitet, gibt es an diesem Wochenende Architektur pur.

Landesgalerie Niederösterreich von Marte Marte
Landesgalerie Niederösterreich von Marte Marte

Gedrehter Baukörper

Ja, die Bespielung der Räume sei eine Herausforderung, bestätigt Stefan Marte meinen Einwurf, aber durch die auch im Innenraum spürbare Drehung des Baukörpers, der sich von einer quadratischen Grundfläche ausgehend nach oben hin verjüngt, ergebe sich eine Spannung. Jede der vier Etagen ist in der Tat neu erlebbar, die Verbindung zur Kunsthalle verläuft unterirdisch und bildet einen der größten Ausstellungsräume, das Stiegenhaus und der Lift fungieren quasi als Achse, und im oberen Stockwerk wird wieder der Bezug zur Umgebung hergestellt. Von der Dachterrasse aus ist die Donau zu überschauen, das Stift Göttweig schiebt sich vor das Auge und auf einer Seite ermöglicht ein Sichtfenster einen Blick auf Stein.

“Von der offenen Eingangsebene über die Etagen gibt es eine spannende Abfolge.”

Stefan Marte
Architekt

Aus über 7000 Zinkschindeln besteht die Fassade. Als Paillettenkleid bezeichnete sie die Jury-Vorsitzende Elke Delugan-Meissl, an ein Kettenhemd dachten die Architekten. Jedenfalls schimmert sie auch im Sonnenlicht nur angenehm leicht. Die Tänzerin von Krems, wie das Gebäude ob der Drehung schon genannt wird, erhält ihre Qualität gerade auch ob ihrer Nüchternheit, die Bernhard und Stefan Marte einem ihrer bislang wichtigsten Projekte im präzise entwickelten Maß verpasst haben. Heuer noch wird das von den Vorarlbergern geplante Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht und Vertreibung in Berlin eröffnet.

Dieses einzigartige Gebäude in Krems wurde von Vorarlberger Architekten geplant