Ein gelungener Theaterdoppelpack

Kultur / 03.03.2019 • 15:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 „Smile“ von Samuel Beckett und „Wry Smile Dry  Sob“ von Silvia Costa sind noch bis 16. März in der Box des  Landestheaters in Bregenz zu sehen. Theater/AK
„Smile“ von Samuel Beckett und „Wry Smile Dry Sob“ von Silvia Costa sind noch bis 16. März in der Box des Landestheaters in Bregenz zu sehen. Theater/AK

Beckett und zwei Stücke an einem Abend, so sieht der perfekte Versuchsaufbau für die Box des Landestheaters aus.

Bregenz Samuel Beckett, da klingelt doch was. „Warten auf Godot“, ja, richtig, das ist wohl jenes Stück Theater, das landauf und landab am treffsichersten mit dem irischen Autor verbunden wird. Nun, in der Landestheater-Box stand nun nicht dieses allseits bekannte, aber mit „Spiel“ ein ebenso sehenswertes Beckett-Stück auf dem Plan. 1963 in Ulm in deutscher Sprache uraufgeführt, zeigt „Spiel“ gleich mehrfach auf, was von einem Beckett so zu erwarten ist. Zusammengerafft auf knappe 20 Minuten fächert sich da nämlich der ganze Regenbogen der Doppeldeutigkeiten auf. Zum einen ist „Spiel“ nämlich – wie der Titel ja durchaus vermuten lässt – ein Spiel über das Spiel. Das aber höhlt Beckett vollends aus, und lässt seine drei Akteure im Dunkeln, ohne große Emotionen aber durchaus in großer Eile durch ihre Textzeilen marschieren. Zu sehen sind übrigens ausschließlich die Köpfe zweier Frauen und eines Mannes, die in Bregenz durch Zoe Hutmacher, Fabienne Trüssel und Grégoire Gros verkörpert werden. Warum? Weil sie eigentlich schon tot sind. Ihre Dreiecksbeziehung lässt sie aber in keiner der beiden Welten los. Der Mann, der mit Frau 1 verheiratet und mit Frau 2 in eine Affäre verstrickt war, kann weder die eine noch die andere lassen und flüchtet doch schließlich mit seiner Geliebten. Und wieder tönt das Spiel durch: das Spiel mit der Liebe, den Gefühlen, mit Abhängigkeiten und mit Macht.

Reduzierter Text

Beckett liefert mit seinem bis zum Maximum verdichteten und reduzierten Text die Steilvorlage, die die italenische Regisseurin und Performerin Silvia Costa in der Bregenzer Inszenierung mit feiner Klinge in Szene setzt und die drei Akteure – Hutmacher, Trüssel und Gros – in der Reduktion, in der Zurücknahme des offensichtlichen Ausdrucks zu einer geradezu spürbaren Intensität führt.

Eigene Kreation als zweiter Teil

Dunkel, ein Bruch und der zweite Teil des Theaterabends beginnt. „Wry Smile Dry Sob“, übertitelt Silvia Costa schließlich ihre Kreation zwischen Raum, Klang und Spiel. In der Mitte der Landestheater-Box türmen sich Kästen und Schränke zu einer – aus dem Gleichgewicht geratenen – bürgerlichen Welt. Anklänge an das geordnete Leben lassen sich zwar noch finden, sind aber schwer in Schieflage geraten.

Das Thema knüpft  an Beckett an. Wieder sind es zwei Frauen und ein Mann, die zwischen Lieben und Verlassen pendeln. Wieder liegt der Schlüssel in der Reduktion. Während Beckett aber das Spiel durch das Wort ins Zentrum rückt, verbietet sich Costa die Sprache beinah gänzlich. Gerade dadurch aber, dass ihren Figuren die Worte fehlen, werden ihre Handlungen offensichtlich. Die Einsamkeit der jeweils Verlassenen wird greifbar, die Brutalität des Alltags erlebbar. So zeigt Costa eine Welt, die aus ihren Angeln gehoben zu sein scheint. Ein Kompliment gehört an dieser Stelle auch Zoe Hutmacher, Fabienne Trüssel und Grégoire Gros, die die Kälte der Liebe bis hin zu deren Auflösung in der gegenseitigen Auslöschung aufleben lassen.

So steigert sich die Dreiecksgeschichte bis hin zum emotionalen Erdbeben, bis hin zum versöhnenden Totentanz. Der bricht dann übrigens die Einheit vollends auf und spiegelt sich im fließenden Umschlingen dreier Tänzerinnen (Rosabel Huguet, Leonie Humitsch und Silvia Salzmann), die das Dreieck der Liebenden auf eine überzeitliche Ebene erheben.

Erst in der Auslöschung liegt die Erlösung und im Vergleich der beiden Stücke, der ganz besondere Reiz dieses Abends. So ist es eine spannende Gegenüberstellung, die Costa hier mit „Smile“ und „Wry Smile Dry Sob“  gelingt und die in ihren Inszenierungen schlicht und einfach überzeugen: ein gelungener Theater-Doppelpack, der intelligent und klug, Schicht um Schicht abträgt und den Blick freilegt auf das ewige Spiel von Liebe und Macht. Veronika Fehle