Mit einem verschmitzten Schmunzeln

05.03.2019 • 17:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Helmut Binders Orgelfasching in Herz-Jesu ist längst zu einem Allzeithit geworden.

BREGENZ „Ich kenne keine lustige Musik“, stellte Franz Schubert resigniert fest. Hätte er nur 200 Jahre später gelebt und eines von Helmut Binders kultigen Orgelfaschingsprogrammen miterlebt, er hätte seine Meinung wohl gründlich revidiert. Am Rosenmontag platzte bei der gefühlten 20. Ausgabe dieses Events sogar der mächtige Backsteinbau der Herz-Jesu-Kirche wieder aus allen Nähten mit Besuchern aus der Region, die diese vergnügliche Stunde nicht versäumen wollten.

Auch ein Orgelkino

Helmut Binder und seine reichlich angejahrte historische Behmann-Orgel von 1931 sind ein ganz besonderes, über 35 Jahre hindurch wohl längst auch irgendwie emotional verbundenes Gespann. Keiner beherrscht dieses Ungetüm so virtuos wie er, entlockt ihm die vielfältigsten Klänge und kann durch geschickte Registrierungen auch kleinere technische Mängel gut überbrücken. Dessen wird das Publikum neben dem akustischen Eindruck auch heuer wieder in einer weiteren, optischen Dimension gewahr. Der Videoclub Bludenz überträgt das Geschehen von der Empore mit vier Kameras qualitativ hochwertig auf eine große Leinwand im Altarraum, mit der minutiösen Arbeit der beiden Registranten, dem nach Schwierigkeitsgrad der Stücke variierenden Gesichtsausdruck des Interpreten und dem ständigen Manualwechsel seiner flinken Hände. Das ist Orgelkino vom Besten. Besonders wirkungsvoll stechen aber bei der Pedalarbeit die knallroten Socken ins Bild, die Binder schalkhaft für diesen Anlass ausgewählt hat. Es ist ja Fasching!

In der Werkauswahl und deren perfekter Umsetzung wiederum lässt er seinen ausgesprochen guten Geschmack walten und differenziert sehr feinsinnig. Auch wenn Fasching herrscht, kommt der Humor in der Musik bei Binder nicht laut und als wilde Gaudi daher, er bevorzugt die seriöse feine Klinge, also das verschmitzte Schmunzeln anstelle des lauten Gelächters. Natürlich gibt er auch einmal dem Affen Zucker und lässt mit dem pferdebespannten „Sleigh Ride“, dem Baby Elephant Walk, mit Pinguinen und weißen Hasen im Stil amerikanischer Standards eine ganze Orgel-Menagerie aufmarschieren.

Doch schon im nächsten Moment wird es in einer komplexen Toccata aus Hielschers „California Wine Suite“, in der man das weinselige Studentenlied „Gaudeamus igitur“ entdeckt, ernsthafter. Passend dazu verharrt der „Bolero de Concert“ des Franzosen Lefébure-Wély mit monotonen Drehorgelklängen in einer Mollstimmung als angedeuteter Katzenjammer.

Verkleidete Volkslieder

Eine Portion Wiener Flair hellt die Stimmung mit der „Baden Baden“-Polka von Johann Strauß wieder auf, bevor Binder zum Abschluss seine beliebte Tradition mit verkleideten Vorarlberger Volksliedern aufgreift. Diesmal müssen „Wie gen bin i a Wäldare“ (Schunkelbewegungen im Publikum) und „Uf da Berga“ dran glauben, die er halsbrecherisch durch alle möglichen Tonarten und Formen jagt, bevor es nach Standing Ovations noch Brahms‘ Schlummerliedchen „Guten Abend, gut Nacht“ als Zugabe und einen Schlummertrunk für die Zuhörer gibt.

Das Spiel auf der Empore wurde per Video übertragen.Ju
Das Spiel auf der Empore wurde per Video übertragen.Ju

Nächstes Konzert in Bregenz Herz-Jesu: 27. April, 19.30 Uhr – „Krieg & Frieden“ (Ensemble Adornamento, Renate Bauer, Rezitation)