Anregender Blick auf junge Kunst im Bregenzer Palais Thurn und Taxis

Kultur / 06.03.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Studentenarbeiten werden im Palais Thurn und Taxis laufend präsentiert. Sie sollen in einem Land ohne Universität Auseinandersetzung mit junger Kunst bieten.  VN/Paulitsch
Studentenarbeiten werden im Palais Thurn und Taxis laufend präsentiert. Sie sollen in einem Land ohne Universität Auseinandersetzung mit junger Kunst bieten. VN/Paulitsch

Studierende der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zeigen ihre Arbeiten im Künstlerhaus.

Bregenz „Zur Zeit“ heißt die Ausstellungsreihe der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs, die in regelmässigen Abständen einen anregenden Blick an die Akademien und Kunsthochschulen wirft. Aktuell sind im Künstlerhaus acht Studierende der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig aus der Klasse der deutsch-amerikanischen Künstlerin und Professorin Frances Scholz zu sehen.

Dass es sich dabei eigentlich um eine Malerei-Klasse handelt, ist bei einem ersten Rundgang durch die Kellerräume des Künstlerhauses nicht gerade offensichtlich, sondern eher überraschend. Als „erweiterte Malerei“ oder „informiert von der Malerei“ bezeichnet Frances Scholz das Feld, in dem ihre Schützlinge tätig sind. „Es gibt viele Wege, aber es geht darum, dass Jede und Jeder einen eigenen Weg und Ausdruck, auch in unterschiedlichen Medien, findet“, begrüsst die 1962 in Washington geborene Malerin die große Vielfalt in ihrer Klasse. Mitgebracht nach Bregenz hat sie, zugeschnitten auf die Räumlichkeiten, eine kleine Auswahl von Studierenden, die sich in der Mitte der Ausbildung befinden, aber schon stark in ihrer Entwicklung sind und durch eigenständige Positionen auf sich aufmerksam machen.

Veränderungen in der Wahrnehmung

Mit Stoff verhüllt, von einer Kordel umschnürt: Die „Covered Sculptures“ von Yoni Hong scheinen nur auf den Moment ihrer Enthüllung zu warten. Der findet natürlich nicht statt, aber bis dahin entsteht im Kopf eines jeden Betrachters (s)eine eigene Skulptur. Veränderungen in der Wahrnehmung, etwas anderes werden, sind die grossen Themen der jungen Künstlerin, die am Eröffnungsabend ebenso mit einer Performance aufwartete wie Tarik Kentouche und Juraj Černák . Während der Erstgenannte mit der Architektur entlehnten Elementen und Materialien wie Glas oder einem Geländer spielt, spielen Herkunft und Geschichte der Dinge bei dem aus der Slowakei stammenden Černák eine wesentliche Rolle. Ein „halb geschreddertes Lamm“ oder das fast schon (bewusst) ins Kitschige abdriftende Gemälde von Schafen hinterlassen eine heterogenen Eindruck.

Handschrift und Signatur

Ungleich konzeptueller geht es Charlotte Drinkewitz an. Sie arbeitet mit den Zitaten von bekannten Künstlerpersönlichkeiten, die sie konkreten Werken in der Ausstellung zuordnet. Handschrift und Grafik, mit einem malerischen Gestus, kombiniert sie in einer Arbeit aus 20 Objekt-gewordenen Signaturen und hinterfragt damit den Wert eines Kunstwerks. Mit dem Handschriftlichen und der Frage von Reproduktion und Masse setzt sich auch Philipp Kapitza auseinander, während die Banner-artig im Raum gehängte, installative Malerei von Rebecca Stuhlemer von beiden Seiten zu betrachten ist und Till Terschüren einen „Automat“ aufbaut, bei dem man mit einem Tacker auf ein Sägeblatt schiessen kann, was entsprechend geräuschvoll abgeht. Textilindustrie, Klöster und Wolford – das Bild, das Alrun Aßmus bei einer früheren Fahrt durch Bregenz gewonnen hat, verarbeitet sie zu einer eigenwilligen Stadt-Flagge. Formbildend und im Mittelpunkt des an einer Poledance-Stange aufgehängten Wappens ist das abstrahierte „Fatal Dress“ des Strumpfherstellers. AG

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Gallusstrasse 10, in Bregenz, bis 31. März geöffnet, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So und Feiertag, 11 bis 17 Uhr.