Perfektes Popcorn-Kino mit Frauenpower

Kultur / 06.03.2019 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brie Larson glänzt in der Hauptrolle als Captain Marvel.  ap
Brie Larson glänzt in der Hauptrolle als Captain Marvel. ap

Marvel bringt seinen ersten Film um eine weibliche Superheldin ins Kino.

Tanja Schwendinger

Action Konkurrent DC hat es mit „Wonder Woman“ bereits 2017 vorgemacht, nun stellt auch Marvel eine weibliche Superheldin in den Mittelpunkt eines Films: Oscarpreisträgerin Brie Larson ist ab Donnerstag als „Captain Marvel“ zu erleben, womit das weitläufige Kinouniversum des Comicriesen bei Kapitel 21 angelangt ist. Fans dürfen sich freuen: Von Abnützungserscheinungen gibt es keine Spur. Bevor die große „Avengers“-Erzählung in einigen Wochen mit „Endgame“ einer (vorläufigen) Erledigung zugeführt wird, begegnet man nun also einer weiteren sogenannte Origin-Story.

20 Jahre verjüngt

Carol Danvers (Larson) ist eine toughe Kampfjetpilotin, die es in die Weiten des Alls verschlagen hat. Von ihrer Vergangenheit auf der Erde zeugen nur noch Erinnerungsfetzen, dafür ist sie als Teil der Spezialeinheit Starforce der Alienrasse Kree im Kampf für das Gute im Einsatz – so scheint es. Aber bei dem sehr Sci-Fi-lastigen Auftakt verliert man schon mal den Überblick. Sicher ist nur, dass Danvers mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist und etwa aus ihren Armen Photonenstrahlen abfeuern kann. Eine nützliche Eigenschaft, um in der Auseinandersetzung mit den Skrull die Oberhand zu behalten. Die sind auf der Suche nach einer Wissenschafterin auf Planet C-53, besser bekannt als Erde. Hier wird Danvers nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern trifft nicht zuletzt auf Nick Fury.

Der aus dem Marvel-Universum bekannte S.H.I.E.L.D.-Agent wird erneut dargestellt von Samuel L. Jackson, allerdings digital um mehr als 20 Jahre verjüngt. Denn „Captain Marvel“ spielt mitten in den 90ern, und das bisher eher auf dem Indie-Sektor aktive Regieduo Anna Boden und Ryan Fleck macht reichlich Gebrauch von dieser Tatsache. Da dröhnen Hits von No Doubt bis Elastica aus den Boxen, wird einer Arnold-Schwarzenegger-Kartonfigur aus „True Lies“ der Kopf weggeblasen und dient ein Game Boy in Kombination mit einem Münztelefon zum intergalaktischen Austausch. Gleichzeitig lauert aber hinter jedem bekannten Gesicht eine potenzielle Gefahr, können die Skrull doch das Aussehen jeder Lebensform annehmen.

Es sind also die bekannten Ingredienzien, die schon bisher das Marvel Cinematic Universe (MCU) ausmachten: Denn in Sachen Schmäh und kurzweiliger Action können aktuell nur wenige Blockbuster mithalten. Zudem kommt „Captain Marvel“ zugute, dass die Fokussierung auf eine Superheldin Zeit lässt, deren Geschichte ausführlich darzulegen und nicht alle zehn Minuten einer neuer Höhepunkt in Sachen Bombast erreicht werden muss. Larson jedenfalls geht in ihrer Rolle auf, ist strahlende Powerfrau mit dem nötigen Augenzwinkern. Und ganz nebenbei wird den Zuschauern das Motto „Glaub an dich, dann kannst du alles erreichen“ gefüttert.

Effekte und gute Maske

Das alleine wäre zwar schon Grund genug für einen Kinobesuch, zudem stimmen hier aber auch die Details bis zu den liebevoll gezeichneten Nebenfiguren. Allen voran Jackson weiß mit spitzbübischem Lächeln zu überzeugen, selbst wenn sein Antlitz wenig damit zu tun hat, wie der 70-jährige Mime aktuell aussieht. Man muss dem Effektteam dazu gratulieren, was in Sachen digitaler Verjüngung mittlerweile möglich ist. Aber auch die Maske kann punkten, was man bei Ben Mendelsohn merkt, der als Ober-Skrull Talos einen sympathischen Bösewicht gibt – und das ist nicht einmal ein Widerspruch. Dabei wird ihnen allen beinahe von Katze Goose die Show gestohlen.

Am Ende regiert aber natürlich auch bei „Captain Marvel“ die ganz große Geste, muss der einstige Hollywood-Beau Jude Law einiges einstecken und etabliert sich Carol Danvers in Superheldenuniform als Macht, mit der immer zu rechnen ist und die offenbar von nichts gestoppt werden kann. Der Film ist etwas mehr als zwei Stunden perfektes Popcorn-Kino, der  einen erfrischend klassischen Zugang wählt und als Stand-Alone eine gute Figur macht. Aber keine Sorge, natürlich dockt man hier an das MCU an. Denn was kommt schon aus dem Hause Marvel, das nicht dem größeren Ganzen dient? Insofern ist mit einem Wiedersehen von Captain Marvel zu rechnen – hoffentlich in mehr als nur einem „Endgame“.