marte.marte als Abschluss

Kultur / 09.03.2019 • 14:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist schon beeindruckend, was das Land Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten in Krems an der Donau auf die Beine gestellt hat. Mit der Entscheidung von 1986, St. Pölten zur neuen Hauptstadt des Landes zu machen, wurde dem in diesem Wettbewerb unterlegenen Krems versprochen, das kulturelle Zentrum zu werden. Das Land hat Wort gehalten. Am vergangenen Wochenende wurde mit der nun fertig gestellten Niederösterreichischen Landesgalerie – geplant von den Vorarlberger Architekten Bernhard und Stefan Marte – der imposante Schlussstein für die Kulturmeile gesetzt. Der Begriff ist korrekt: Den Besuchern stehen nun auf engsten Raum ein Dutzend Museen und Veranstaltungsräume auf genau einer Meile (1,6 Kilometern) zwischen dem Steiner Tor in Krems und dem Kremser Tor in Stein zur Verfügung.

„Wenn man als Vorarlberger nach Krems kommt, dann kann man schon auch etwas neidisch werden.“

Am vergangenen Wochenende war es in einem Pre-Opening erstmals möglich, die neue architektonische Attraktion des Landes zu besichtigen. Noch ganz ohne Kunst, reduziert auf das eigentliche Gebäude. Es ist imposant, es ist spektakulär, was sich marte.marte überlegt haben, auch wenn der Ausgangspunkt ganz einfach ist. Das Gebäude ist etwas mehr als zwanzig Meter hoch, ein in sich gedrehter Kubus, der mit grauen Zink-Schindeln verkleidet ist. Im Erdgeschoß mit weitläufigen Glasflächen, die der Drehung des Kubus folgen, eingeschnitten in die Terrasse auf der vierten Ebene die einzige verglaste Öffnung mit einem besonderen Blick auf Stein. Verschiedene Namen haben sie dem neuen Museum schon gegeben, „Segel“ entspricht vielleicht am bestem dem Eindruck und auch der Ausrichtung des Gebäudes zur Donau.

Wenn man als Vorarlberger nach Krems kommt, dann kann man schon auch etwas neidisch werden. Wie lange redet man bei uns schon von einer Landesgalerie, in der die heimische Kunst Platz finden kann? Und man möge nicht das Kunsthaus Bregenz als Ausrede dafür nehmen, dass da noch nichts geschehen ist. In Krems steht gegenüber dem neuen Haus der Marte-Brüder die Kunsthalle Krems, in der zeitgenössische Kunst in Wechselausstellungen gezeigt wird, daneben das Karikaturenmuseum von Gustav Peichl – alle drei Institutionen übrigens unterirdisch verbunden. Ergänzt werden diese Kulturbauten durch Einrichtungen der Donau-Universität Krems und verschiedene andere Ateliers und Veranstaltungsräumen. Ein kulturelles Zentrum, in dem die neue Architektur eingebunden ist in die wunderbare Altstadt von Krems und jene von Stein. Womit eine Reise in die Wachau noch besser zu begründen ist als sie das bisher schon war.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.