Bregenzer-Frühling-Auftakt mit der böse Monsanto und das ewige Eis

Kultur / 12.03.2019 • 10:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus "Frozen Songs" der Zero Visibility Corp. aus Norwegen. BF/Mittelberger
Szene aus „Frozen Songs“ der Zero Visibility Corp. aus Norwegen. BF/Mittelberger

Start des Festivals Bregenzer Frühling mit norwegischer Kompanie ließ seltsam kalt.

Christa Dietrich

Bregenz Schon einmal etwas vom Svalbard Global Seed Vault gehört? Gewiss doch. Es handelt sich um einen Saatgutspeicher auf Spitzbergen, der zuletzt zwei Mal in die Schlagzeilen kam. Einmal kam es zu einem, dem Klimawandel geschuldeten, Tauwassereinbruch, der die Saatgutbank letztlich aber nicht gefährdet hat, und vor einiger Zeit wurde bereits Saatgut zu Forschungszwecken entnommen, unter anderem für Syrien. Der Begriff und das Projekt sind somit dem Themenkomplex Umwelt und Ressourcen zuzuordnen. Dass sich ein Tanztheater-Ensemble auf der Suche nach einem Sujet für ein neues Stück für das Saatgut im Eis interessieren könnte, darauf kommt man wohl nicht so schnell. Doch die Zero Visibility Corp. hat ihren Sitz schließlich in Oslo und grundsätzlich bietet das Genre Tanz in Verbindung mit Video reichlich Möglichkeiten, um Bedrohungen oder die Beziehungen zwischen Mensch und Natur auf der Bühne zu visualisieren.

Die Produktion „Frozen Songs“ wurde im September 2017 uraufgeführt, tourte bereits durch Europa und läutete nun als Österreich-Premiere im bestens besetzten Festspielhaus das mit insgesamt neun Produktionen aufwartende Festival Bregenzer Frühling ein. Nach rund 90 Minuten war der Jubel für die sich verausgabenden sieben Tänzer groß, grundsätzlich ließen die „Frozen Songs“ aber auch seltsam unberührt. Freilich kann man sich für das Thema erwärmen und freilich ergeben Eiskristalle, auch wenn sie aus banalem Kunststoff bestehen, und von der Decke rieselnde Körner enorm poetische Bilder, doch auch wenn die Qualität der einzelnen Tanzsequenzen grundsätzlich hoch ist, so hat sich das Vokabular in dieser Choreografie von Ina Christel Johannessen doch schon in der ersten halben Stunde erschöpft. Der Rest bestand aus Wiederholungen und was die Mutter mit dem Kind im Zelt betrifft, doch aus bereits sehr abgegriffenen Motiven.

Ansprache ans Publikum

Auf der Plus-Seite stehen zudem die Video-Arbeiten mit Bildern vom Nordlicht oder von sprießenden Keimen und die Musik mit viel Elektro-Sound bis hin zu Purcell und somit einem Lied, das eher Erwartungen erfüllte als überraschte. Die direkte, nur improvisiert wirkende Ansprache an die Anwesenden mit dem Verweis auf den bösen Konzern Monsanto müsste sich eigentlich erübrigen. Kunst kann Denkanstöße liefern, wer dabei ihrer Kraft aber nicht entsprechend vertraut, unterschätzt das Publikum oder langweilt.

Nächste Aufführung beim Bregenzer Frühling am 23. März mit der Compagnie DCA/Philippe Decouflé,“Nouvelles Pièces Courtes“: www.bregenzerfruehling.com