Wunderbar, die „Black Maria“ ist da

13.03.2019 • 18:21 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Kunstraum-Leiter Thomas Häusle hat Bernd Oppl eingeladen.
Kunstraum-Leiter Thomas Häusle hat Bernd Oppl eingeladen.

Dem Österreicher Bernd Oppl gelingt im Kunstraum ein informatives, erlebnisreiches und komplexes Werk.

Christa Dietrich

Dornbirn Im Jahr 1892 wurde in New Jersey, auf dem Gelände von Thomas Alva Edison, von William K. L. Dickson ein Filmstudio gebaut. Aufgrund seiner Farbe und seines Zwecks nannte man das verschachtelte Häuschen, in dem die ältesten Streifen der Filmgeschichte gedreht wurden, „Black Maria“. Fast zur selben Zeit entstand auf dem Firmenareal der Rüsch-Werke in Dornbirn eine Montagehalle aus Backstein. Diese zeitlichen Überlappungen dürften für die Besucher der neuen Ausstellung interessant sein.

Bernd Oppl, der aus Innsbruck stammende Künstler (geb. 1980), hatte nach der Einladung durch den Kunstraum Dornbirn aber vor allem die Herausforderung zu bewältigen, dass seine kleinformatigen, auf Raummodellen basierenden Arbeiten bzw. Guckkästen in der seit einigen Jahren von den Ausstellungsmachern genutzten Halle untergehen. Man weiß es längst, wer diesen wunderbaren Raum als Podium bekommt, muss mehr tun als Kunstwerke abliefern.

Der Besucher spielt mit

Für Oppl, der sich mit Raumwahrnehmung und -veränderung beschäftigt und zur Erzeugung von entsprechend anziehenden Bildern seine Architekturmodelle auch schon unter Wasser setzte und dann mit farbigen Flüssigkeiten anreicherte, kapitulierte keinesfalls vor der Dornbirner Aufgabenstellung. Kunstraum-Leiter Thomas Häusle erhielt ein Modell von der Montagehalle, in der sich wiederum das Modell der nachgebauten „Black Maria“ befand, die Bernd Oppl nun als thematisch bestens gewählte Bühne im Bühnenraum dient und die zudem selbst einige Stücke spielt.

„Hidden Rooms“ heißt das Ausstellungsprojekt nun, in dem in der Tat viel Verborgenes zum Vorschein kommt. Der Besucher im Kunstraum wird zum Protagonisten der Fragestellungen Oppls, der sich damit beschäftigt, wie Räume – etwa ein Fernsehstudio, eine Karaoke-Bar, ein Kinosaal oder ein Internet-Café – unsere Verhaltensweisen verändern. Dass wir auf unseren Gesichtssinn nicht immer vertrauen können und wir Räume mitunter anders wahrnehmen als sie wirklich sind, das haben wir schon oft erfahren.

Oppl geht es aber nicht darum, mit Farben oder geometrischen Formen seine Spielchen zu treiben, er konfrontiert uns mit dem Nachbau eines realen Raumes, in dem einst Illusionen erzeugt wurden. Und er zeigt uns Räume, die heute unseren Alltag beeinflussen. Das etwas verkleinerte Modell der „Black Maria“ ist nicht nur begehbar, sondern so durchlässig gestaltet, dass auch die Hülle, diese Montagehalle, eine Rolle hat, womit stets ein Bezug zur Außenwelt hergestellt werden kann. Das einstige Dickson-Filmstudio ist zudem in Teile gegliedert, die wiederum in weiter verkleinerter Form zu drei sich ständig drehenden Objekten werden, die eine Kamera aufnimmt. Wir sehen den Entstehungsprozess und zugleich auch den Film, der somit in einem der „Black Maria“-Innenräume läuft.

Mikro- und Makro-Ebene

Was etwas kompliziert wirken mag, erweist sich als Installation, die den Besuchern eine Fülle von Informationen und ein Erlebnis bietet. Dabei ist nichts überinszeniert, für das große Drama ist Bernd Oppl nicht zu haben, er ist ein genauer Rechner und es ist beeindruckend, wie es dem Künstler gelingt, die Mikro- und die Makro-Ebene ineinander zu verzahnen. Die erwähnten Guckkästen sind zudem ja nicht einfach Bühnenmodelle, die Dioramen werden im 3-D-Druckverfahren hergestellt und bestechen durch Details und Vielschichtigkeit.

Animierter Sternenhimmel

So zeigen die Screens im Internet-Café einen animierten Sternenhimmel und in der Karaoke-Bar tastet Diskolicht den Raum ab, während auf dem Monitor die Zeilen aus dem Song „Retrograde“ von James Blake nachzulesen sind. Das Lied handelt unter anderem von Liebenden, die räumlich voneinander getrennt sind und sich in einem Selbstfindungsprozess befinden.

Eines steht fest: Die „Hidden Rooms“ mag man nicht so schnell wieder verlassen. Bernd Oppl ist eine ungemein komplexe Installation, ein sensationelles Werk für diesen Kunstraum gelungen. Nach der eingehenden Betrachtung seiner Dioramen kommen viele Besucher wohl nicht umhin, auch der Geschichte der „Black Maria“ weiter nachzuspüren. Einige Filmchen, die dort gedreht wurden, sind für Internet-User ja abrufbar. Und nachdem die „Black Maria“ wieder da ist, sollte sie wohl erhalten bleiben. Etwa als Projekt eines Vorarlberger Kunstunternehmens, das irgendwann nach dieser Erstpräsentation auf Reisen zu ausgewählten Orten geht.

„Mich beschäftigt, welche gesellschaftliche Veränderungen und Technologien Räume beeinflusst haben.“

„Hidden Rooms“ heißt das Ausstellungsprojekt des Künstlers Bernd Oppl. VN/stiplovsek
„Hidden Rooms“ heißt das Ausstellungsprojekt des Künstlers Bernd Oppl. VN/stiplovsek

Zur Person

Bernd Oppl

Geboren 1980 in Innsbruck

Ausbildung Kunstuniversität Linz, Akademie der bildenden Künste Wien

Tätigkeit freischaffender Künstler mit Ausstellungen in der Galerie Krinzinger in Wien, in Kunsträumen in Schweden, den USA, Holland, Österreich, Bulgarien, Russland, Belgien, Liechtenstein, etc.

Wohnort Wien

Eröffnung der Ausstellung im Kunstraum Dornbirn (Jahngasse 9) am 14. März, 20 Uhr. Geöffnet vom 15. März bis 9. Juni, täglich 10 bis 18 Uhr.