Baukultur mit allen Sinnen erfassen

15.03.2019 • 17:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wanderausstellung gastiert zum Finale im Vorarlberg Museum.

Bregenz Von Toronto über Washington bis nach Brasilien, Singapur oder Norwegen: Die Wanderausstellung „Getting Things Done. Evolution of the Built Environment in Vorarlberg“ war seit der Eröffnung im Werkraum Bregenzerwald im Jahr 2014 bereits in 30 Städten weltweit zu sehen. Nun macht die Schau über Vorarlbergs Architektur und Handwerkskunst im Vorarlberg Museum Halt, bevor sie in die Sammlung des Museums übergeht. Die vom Außenministerium und der Kulturabteilung des Landes für die österreichischen Kulturforen initiierte Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Vorarlberger Bauschule, von ihren Anfängen in den späten 1950er-Jahren bis in die Gegenwart.

Greifen und Riechen

Die von Architekt Wolfang Fiel kuratierte Ausstellung thematisiert die Vorarl­berger Baukultur und Handwerkskunst anhand von ausgewählten Werkstücken, Fotos, Plänen und Videomaterial und soll alle Sinne ansprechen. Sie lädt zum Greifen, Hören, Sehen und Riechen ein. So geben unter anderem 57 Interviews mit Architekten und Kulturschaffenden, etwa der ehemaligen Werkraum-Leiterin Renate Breuss, dem Architekten Roland Gnaiger oder dem Bregenzerwälder Polsterer Johannes Moor, auf kleinen Monitoren einen Einblick in die Vorarlberger Architekturlandschaft und Baukultur. Auf Baumstämmen, deren Duft den Ausstellungsraum flutet, sitzend, können sich Interessierte anhand der Langfassungen der Interviews und zahlreicher Fotografien von Künstler-Fotograf Gerhard Klocker in die überaus spannende Materie vertiefen.

Ein paar Schritte weiter werden mit über 230 Projekten und 700 fotografischen Abbildungen die Arbeiten der einzelnen Architekten auf über 70 Bildtafeln dargestellt. Großflächig auf die Wand projizierte Bilder zeigen die Vielfalt der Vorarlberger Architektur. Unter anderem ist die historische Villa Maund in Schoppernau zu sehen, bevor als Gegenstück die Fassade des Dornbirner Messeparks eingeblendet wird. Bregenzerwälder Möbelstücke und Handwerksobjekte, wie ein Rodel von Anton Bereuter oder eine Filzschaukel von Andrea Mohr, laden die Betrachter zum Verweilen und Ertasten ein.

In Holzkisten auf Weltreise

Aber wie schickt man eine so umfassende Ausstellung überhaupt auf Weltreise? In Kisten, und zwar in fünf Holzkisten mit den Grundmaßen einer Europalette, in denen sich die Objekte und Ausstellungsmaterialien befinden. Im Handumdrehen werden diese „Trickkisten“ schließlich selbst Teil der Schau und zwar als Podeste für die Handwerksobjekte aus dem Bregenzerwald.

Die Wanderausstellung, deren Entstehungsgeschichte zwei Kataloge dokumentieren, wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm belgeitet. Fachleute aus den Bereichen Architektur und Handwerk geben bei Führungen spannende Einblicke in die Welt der Vorarlberger Baukultur.

Ehe das Vorarlberg Museum die Ausstellung „Getting Things Done“ in die Sammlung übernimmt, wird sie noch einmal gezeigt.  VN/Paulitsch
Ehe das Vorarlberg Museum die Ausstellung „Getting Things Done“ in die Sammlung übernimmt, wird sie noch einmal gezeigt.  VN/Paulitsch

„Getting Things Done: Evolution of the Built Environment in Vorarlberg“ ist bis 5. Mai 2019 im Vorarlberg Museum in Bregenz zu sehen. www.vorarlbergmuseum.at