Ein glanzvoller musikalischer Auftakt von Arpeggione in die neue Saison

Kultur / 17.03.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Tout Ems“ machte diesen ersten von sieben Abenden zum feudalen, gesellschaftlichen und familiären Event. ju
„Tout Ems“ machte diesen ersten von sieben Abenden zum feudalen, gesellschaftlichen und familiären Event. ju

Unter Chef Robert Bokor startet Arpeggione glänzend in die neue Saison.

Hohenems An den ironisch gewürzten Spruch „Hier kocht der Chef – kommen Sie trotzdem“ wurde man am Samstag im Rittersaal des Palastes erinnert. Wenn man die Ironie beiseitelässt, trifft das haargenau die Situation, wenn Chefdirigent Robert Bokor persönlich am Pult seines Arpeggione-Orchesters steht wie traditionell auch diesmal zum Saisonstart. Das Orchester klingt unter ihm, mit seiner Entschlossenheit und dem konsequenten Durchgriff, einfach ein Stück besser, sehr zur Freude des Publikums. „Tout Ems“ machte diesen ersten von sieben Abenden zum feudalen, gesellschaftlichen und familiären Event, mit speziellen Gästen von Hauptsponsor Otten, dem herzlichen Begrüßungs-Charme von Präsidentin Stéphanie Waldburg-Zeil und dem wie seit jeher in der ersten Reihe residierenden Hausherrn Graf Franz-Josef Waldburg-Zeil, eben stolze 92 geworden, mit Gattin Priscilla.      

Da muss man diesmal schon aufpassen wie der berühmte „Häftlemacher“, um musikalisch etwas von jener „Frühlingssehnsucht“ zu erhaschen, die Kurator Irakli Gogibedaschwili zum Start seiner 29. Arpeggione-Saison als Motto versprochen hat. Aber es geht dabei weniger um Konkretes, vielmehr um heitere, freundliche Stimmungen in den ausgewählten Werken aus Vorklassik und Klassik, die so sehr die Erwartungen des Publikums erfüllen und den Musikern in den Fingern liegen. Da trifft es sich gut, dass auch Joseph Haydns einleitende Symphonie „Le Matin“ („Der Morgen“) 1761 in einem Schloss entstanden ist, dem der Esterházys in Eisenstadt. Um seinem Dienstherrn mit Programmmusik zu imponieren und den Musikern attraktive Aufgaben zu geben, ließ Haydn darin Instrumente wie Flöte, Fagott, Violine, Violoncello und Kontrabass solistisch brillieren. Die Arpeggione-Musiker nehmen diese Gelegenheit auch gute 250 Jahre später freudig wahr, wachsen in großer Besetzung mit Bläsern im Geiste der Wiener Klassik insgesamt auch zu einem klanglich wunderbar abgerundeten, delikat musizierenden Ganzen.

Angeregter Dialog

Zwei dieser Solisten haben in der folgenden Sinfonia concertante A-Dur des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian, dem „Mailänder“ oder „Londoner“ Bach und Protagonist der Vorklassik, größere Aufgaben zu erfüllen. Der fabelhafte französische Geiger Alexandre Dimcevski, ab dieser Saison Konzertmeister bei Arpeggione, und sein länger hier tätiger versierter ungarischer Cellokollege Endre Balog treten darin untereinander und mit dem Orchester in einen angeregten Dialog, in melodiöser Terzenseligkeit, tonlich brillant und sauber in der Durchführung.

Nach Mozarts „Titus“-Ouvertüre, die mit Glanz und Glorie, mit Pauken und Trompeten prunkt, ist die Stimmung bereitet für den spektakulären Höhepunkt des Abends mit Beethovens gewichtigem dritten Klavierkonzert c-Moll. Die aus Pisa stammende Pianistin Fiammetta Tarli ist als Solistin kurzfristig für einen erkrankten Kollegen eingesprungen. Deshalb verzeiht man ihr auch, dass sie entgegen der Gepflogenheiten das herausfordernde Werk nach Noten spielt, die sie auch mehr nur als Gedankenstütze verwendet. Unbeeinträchtigt davon gibt sich Tarli in perlenden Läufen treffsicher als überlegene Virtuosin, stattet auch die lyrischen Teile und die vollgriffigen Kadenzen mit feinen Emotionen aus. Einzig am Zusammenspiel mit dem Orchester zeigen sich Unebenheiten, die wohl der besonderen Situation mit etwas Probenmanko geschuldet sein dürften. Auch hätte man sich eine differenziertere Dynamik gewünscht, die sich auch einmal abseits des stereotypen Forte-Fortissimo bewegt. Alles in allem aber dennoch ein fulminanter, vom Publikum bejubelter Abschluss und ein viel versprechender Start in die neue Saison. JU

Nächstes Arpeggione-Konzert, Rittersaal, Palast Hohenems: 13. April, 20.00 Uhr – „La Passione“, Dirigent Nurhan Arman (Bach, Schubert).