Land verzögert die Errichtung eines Industriemuseums

Kultur / 20.03.2019 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Blick in die Fabrikshalle von Franz M. Rhomberg in Dornbirn um 1960.  Wirtschaftsarchiv
Blick in die Fabrikshalle von Franz M. Rhomberg in Dornbirn um 1960. Wirtschaftsarchiv

Dornbirner Bürgermeisterin fordert, dass am seit zwei Jahren vorliegenden Konzept endlich weitergearbeitet wird.

Bregenz, Dornbirn Ein Aufenthaltsstipendium, Erzählcafés und Aktionen zum Thema Arbeitswelt, die Errichtung von Kulturrouten, das Packen diverser Museumskoffer mit Inhalten für verschiedene Altersgruppen und das Abfragen der Bevölkerung danach, was überhaupt in ein Industriemuseum gehört: Abgesehen davon, dass es in Dornbirn, der Stadt mit einer enorm vielfältigen Industriegeschichte, längst einen höchst informativen und erlebnisreichen Industrielehrpfad gibt, sind diese kleinen, sich von Dornbirn über Lustenau bis nach Bludenz erstreckenden Projekte weitere, zumindest sichtbare Zeichen auf dem Weg zur Errichtung eines Industriemuseums. Gesetzt werden sie als Ergebnis eines Projekteinreichungsaufrufs der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung und der Arbeiterkammer im Juli letzten Jahres. Das Land wendet dafür 20.000 Euro auf, die AK 5000 Euro.

Winfried Nussbaummüller, Leiter der Kulturabteilung des Landes, hätte gerne auch die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung im Boot gehabt, doch die winkten, wie er im Gespräch mit den VN ausführte, ab. Überhaupt fehle ihm das Bekenntnis der Wirtschaft zu einem großen Museumsprojekt, deshalb habe man sich dazu entschieden, das Thema lediglich modular weiterzuentwickeln.

Orientierungskonzept liegt längst vor

Ganz anders stellt sich die Situation im Gespräch mit Andrea Kaufmann, Bürgermeisterin von Dornbirn, dar. „Man sollte endlich Gas geben“, erklärt Kaufmann und betont, dass die Initiative zur Errichtung überhaupt von der Stadt Dornbirn ausgegangen sei. Die Bürgermeisterin beruft sich auf ein großes Interesse der Wirtschaft und beispielsweise auch der Fachhochschule. „Das Thema lässt sich nicht auf den Kulturbereich beschränken, ich sehe es viel breiter.“ Aufgrund der Geschichte der Stadt habe man großes Interesse, den Standort bereitzustellen.  Das Land habe ein Orientierungskonzept in Auftrag gegeben, das seit zwei Jahren vorliegt, darauf könne man aufbauen. Nussbaummüller allerdings erachtet dieses Konzept als zu Dornbirn-lastig und bemängelt gegenüber den VN, dass zu wenig vertieft wurde, wie eine Vernetzung mit bestehenden regionalen Einrichtungen wie dem Stickereimuseum in Lustenau oder dem Textildruckmuseum in Hard aussehen könnte.

Diskussion läuft seit gut 30 Jahren

Dem hält Andrea Kaufmann entgegen, dass wohl die internationale Vernetzung eines Vorarlberger Industriemuseums, also die Kooperation mit Einrichtungen in Süddeutschland oder der Schweiz, im Vordergrund stehen müsste. Den Vorwurf der Dornbirn-Lastigkeit kommentiert die Bürgermeisterin, abgesehen davon, dass sich für sie eine solche nicht herauslesen lässt, mit dem Verweis darauf, dass das Land die Expertengruppe einberufen hatte, die die Studie erstellte. Werner Matt, Leiter des Stadtarchivs Dornbirn, wurde somit von der Kulturabteilung des Landes mit der Aufgabe betraut. Weitere Mitarbeiter der gut 20-seitigen Studie sind der Historiker Meinrad Pichler, die Kunsthistorikerin Barbara Grabherr-Schneider, Andreas Rudigier, der Direktor des Vorarlberg Museums, und der Pädagoge und Kulturvermittler Bruno Winkler. Neben historischen Abrissen und Erläuterungen zur Relevanz der Thematik hat das Konzeptteam somit schon vor zwei Jahren die nächsten zu erledigenden Schritte aufgezeigt. Empfohlen wird die Konstituierung einer Projektgruppe und die Erarbeitung eines Museumskonzepts, der dann ein Architekturwettbewerb und der Aufbau von Netzwerken folgen sollten.

Dabei darf und muss angeführt werden, dass in Vorarlberg seit gut 30 Jahren die Errichtung eines Industriemuseums diskutiert wird und eine Reihe von Vorträgen von Historikern stattgefunden hat. Konkrete Schritte wären längst an der Zeit, bemerkt Andrea Kaufmann zu den nun vor der Realisierung stehenden kleinen Modularprojekten: „Wir stehen Gewehr bei Fuß.“