Achtsamkeit mit Biss beim Spielkreis Götzis

Kultur / 27.03.2019 • 12:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die neue Produktion des Spielkreises berührt ob ihres Ideenreichtums. Spielkreis
Die neue Produktion des Spielkreises berührt ob ihres Ideenreichtums. Spielkreis

Das Stück „Willkommen in deinem Leben“ wird in Götzis zum kraftvollen Statement.

Christa Dietrich

Götzis Mit „Mindfulness“ wird gerade viel Geld verdient, doch nicht alles, was unter dem Titel Achtsamkeit unter die Leute gebracht wird, kann physische oder psychische Leiden lindern und mitunter, wenn wir dann auch noch achtsam kochen, wandern, lieben oder gärntnern sollen, wirkt der Begriff inflationär. Ähnlich verhält es sich mit den „Sorge dich nicht, lebe“-Aufrufen, die mit Dale Carnegie über den Atlantik schwappten. Das klingt alles irgendwie gut, enthält aber die Gefahr der Verallgemeinerung bzw. Verharmlosung. Ein Aspekt, der auch der Komödie „Willkommen in deinem Leben“ (Original: „Charlie Cox Runs With Scissors“) von Michael McKeever innewohnt, und sich auf der Bühne breitmacht, wenn man nicht verdammt gut aufpasst.

Der Spielkreis Götzis, dem auch grausame Geschichten wie „Tannöd“ – mit deren Umsetzung sich die Amateure vor ein paar Jahren wieder einmal als besonders engagierte Gruppe profiliert hatten –  nicht zu schwer waren, weiß, wie das geht. Achtsamkeit mit Biss steht sozusagen über der Umsetzung von „Willkommen in deinem Leben“, die jüngst vom Premierenpublikum im Vereinshaus jubelnd aufgenommen wurde. Die reizvolle Geschichte von einem Lektor, der erfährt, dass er unheilbar krank ist und dem der Tod deswegen schon auf den Fersen folgt, nicht von einem Wüstenort in Arizona irgendwo in die Nähe zu verlagern, ist eine gute Entscheidung des Regie- und Ausstattungsteams Hansjörg Ellensohn, Karin und Laura Schwarzmann. Ein paar Cowboystiefel, Sukkulenten und Sonnenuntergangsfarben verdichten die leicht märchenhafte Atmosphäre, in der der Tod kein Sensenmann ist und die Liebe auf Rollschuhen einherschwebt.

Toller Schlagabtausch

Charlie Cox, so der Name des geplagten Lektors, soll also zum Trotz Lebensmut schöpfen, die Leichtigkeit des Seins erfahren oder einfach einmal spontan eine Entscheidung treffen. Mit Nell Foster entscheidet sich eine junge Frau, die ihrerseits Verluste zu verkraften hat, ihm zur Seite zu stehen. Die Frage, ob das gutgehen kann, soll sich einmal erst gar nicht stellen, darauf muss die Inszenierung hinarbeiten und das tut sie auch. Ein wunderbares Mittel bietet die Konzentration auf den Schlagabtausch zwischen Wally, dem Tod, und Charlie. Manni Kräutler und Sepp Gröfler reagieren blitzschnell aufeinander, wissen, wie beißende Ironie geht, ohne dass verletzender Sarkasmus oder Blödelei Platz greifen können. Abgesehen davon, dass man sich mit den Outfits quasi selbst übertraf, erreichen die beiden Akteure enorm starke Momente, die Anna Maier als lebendig aufgedrehte, aber nicht zu quirlige Liebe mit Namen Kiki, Marlies Kupnik als geerdete, aber eben doch noch träumende Nell und Christian Urban als eifersüchtiger, aber zugleich ehrlich besorgter Trevis bestens erweitern. „Willkommen in deinem Leben“ kann nicht ohne Musik auskommen, Reinhold Ecker spielt sie live dazu und rundet die Stimmung, in der das Weiche wie das Raue in gutem Maß vorkommen.

Weitere Aufführungen vom 29. März bis 7. April, im Vereinshaussaal der Kulturbühne Ambach in Götzis: www.spielkreis.at