Konzertreihe im Gedenken an Meister Bergöntzle

Kultur / 27.03.2019 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Vokalensemble Laguzzen, ein Außenseiter mit Kultcharakter in  der Chorszene, tritt im Juni in Bludesch auf. M. Dietrich
Das Vokalensemble Laguzzen, ein Außenseiter mit Kultcharakter in der Chorszene, tritt im Juni in Bludesch auf. M. Dietrich

Ihm hat Bludesch seine über 200 Jahre alte historische Orgel zu verdanken.

BLUDESCH Die historische, letztlich auch stets etwas geheimnisumwitterte Orgel von St. Jakob ist untrennbar mit dem Namen des Elsässer Orgelbaumeisters Joseph Bergöntzle verbunden. Auch wenn der Name des eigentlichen Erbauers noch immer im Dunkeln liegt, so war es doch Bergöntzle, dem Bludesch seine Orgel zu verdanken hat, denn er transportierte das Instrument um 1800 mühsam auf dem Karrenweg von Ostfrankreich nach Vorarlberg. Es ist ein schönes Zeichen des Respekts, dass man heuer im vierten Termin der dortigen Orgelkonzertreihe seines 200. Todestags am 19. Oktober 1819 gedenkt.  

Eine der ältesten Konzertreihen

„Wir wollten von Beginn an zeigen, welch unglaubliche Vielfalt die Orgelmusik durch die Stilbereiche der Jahrhunderte entfalten kann“, resümiert der Vorarlberger Organist Bruno Oberhammer (72) im VN-Gespräch zum Beginn der am Sonntag startenden 49. Saison der Bludescher Orgelkonzerte. Er hat diese Reihe gegründet, die heute zu den ältesten im Land gehört, und betreut seitdem die vier Konzerte jährlich als erfindungsreicher Kurator mit stets neuen Ideen für eine treue, interessierte Zuhörergemeinde aus der Region. „Wir gruppieren Sakralmusik ab der Gregorianik bis herauf zu neuesten Werken in spiritueller Ausrichtung und vielen Besetzungen.  Neben heimischen Mitwirkenden werden dabei auch profilierte auswärtige Interpreten berücksichtigt, die dem kleinen Festival neue Impulse und ein gewisses internationales Flair vermitteln. Diese Gäste zeigen sich natürlich vor allem vom Zentrum unserer Konzerte begeistert, der wertvollen historischen Bergöntzle-Orgel, die mit ihren stilistischen Verweisen auf die berühmte Silbermann-Schule inzwischen ein wertvolles Klangdenkmal unserer Region darstellt.“

Die Renovierung des Instruments 1970 bedeutete zugleich den Startschuss für diese Konzertreihe, in der sich viele heimische und auswärtige Organisten an dem technisch und klanglich nicht einfach zu bewältigenden Instrument versuchten. Für  Oberhammer selbst ist diese Orgel inzwischen so vertraut wie jene seiner Heimatgemeinde Höchst, und er gestaltet selbst auch immer wieder eines der  Konzerte in Bludesch. Dabei ist es ihm stets ein Anliegen, die Orgel in ihrer klanglichen Besonderheit für sich wirken zu lassen, sie aber auch in einen immer neuen vokalen oder instrumentalen Kontext zu stellen. So werden diesmal im ersten Termin die geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz mit dem Bass Clemens Morgenthaler vom Landeskonservatorium und den von ihm ausgebildeten Sängern Jonas-Christian Bruder, Tenor, und André Sesgör, Bass, von Bruno Oberhammer  durch Orgelkompositionen von Meistern aus der Zeit von Schütz kombiniert. Der Organist: „Die geistlichen Konzerte von Schütz sind im Bereich der Sakralmusik das, was die Lieder von Franz Schubert für den profanen Bereich bedeuten!

Orgel und Akkordeon

Beim zweiten Konzert am 16. Juni, traditionsgemäß in der uralten St. Nikolauskirche von Bludesch, wird ein Konzert vom Vorjahr nachgeholt, das krankheitshalber entfallen musste. Das nach einer Alpe benannte, 2005 gegründete, heute fünfköpfige Frauen-Vokalensemble Laguzzen, ein Außenseiter mit Kultcharakter in der Chorszene, wird unter Leitung von Petra Tschabrun-Großsteiner nicht nur wie erwartet Alpenländisches zu Gehör bringen, sondern diesen Horizont weit übersteigen. Konzert Nr. 3 am 22. September vermittelt die Begegnung mit dem Kathedral-Organisten von Bogotá, Jorge Garcia, der zusammen mit dem Trompeter Helmut Schuler musikalisch den Sprung auf den lateinamerikanischen Kontinent wagen wird. Beim vierten Konzert am 27. Oktober erklingt, wie erwähnt, Musik aus der Zeit  Bergöntzles zu dessen Todestag. Gleichzeitig wird damit ein lang gehegter experimenteller Wunsch von Oberhammer erfüllt: die Orgel mit dem Akkordeon zu kombinieren, zwei „Blasinstrumente“ von ganz unterschiedlicher Einschätzung vereint. Bernhard Marx, Freiburg, und der Vorarlberger Akkordeonist Clemens Tschallener wagen diesen Versuch. JU


Erstes Bludescher Orgelkonzert, St. Jakobskirche: 31. März, 17 Uhr, geistliche Konzerte von Schütz und Orgelmusik aus dieser Zeit