Sinnliches Gesamtkunstwerk

Kultur / 29.03.2019 • 21:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Oper „Koma“ von Georg Friedrich
Haas in „definitiver Fassung“.

Klagenfurt Euphorisch bejubelt wurden nach eindreiviertel Stunden am Stadttheater Klagenfurt Librettist Händl Klaus und der in Vorarlberg aufgewachsene Komponist Georg Friedrich Haas, der sich mit einem Kniefall vor den Musikern für die Premiere bedankte, die er als „Uraufführung der definitiven Fassung“ bezeichnet. Das Kärntner Sinfonieorchester unter Bas Wiegers hatte mehr als die Hälfte des Abends in völliger Dunkelheit gespielt. Erzählt wird die Geschichte von Michaela, einer Wachkoma-Patientin, die nach einem Unfall (oder Selbstmordversuch) von medizinischem Personal und Familienmitgliedern umgeben ist. Während die Angehörigen versuchen, Michaela durch Erinnerungen aus dem Koma zu wecken, erledigen Pfleger und Ärzte Spitalsroutine. Nach und nach werden sowohl die Liebe als auch die Schattenseiten dieser Familie sichtbar.

Countertenor Daniel Gloger, der auch schon bei der Uraufführung des Werks 2016 in Schwetzingen dabei war, verkörpert diese Doppelrolle bravourös. Aber auch der Rest des Ensembles, allen voran Ruth Weber als Michaela und Bryony Dwyer als ihre Schwester Jasmin, beeindruckt mit Präzision und Emotion. Regisseur Immo Karaman setzt auch auf Video-Effekte. In exakt auf den Raum abgestimmten Projektionen wachsen organische Strukturen und geometrische Formen über die Szenerie, fallen Blätter, lodern Flammen. Mikrotonalität erzeugt dabei eine spezielle Klangqualität mit Tonstufen, die kleiner als ein Halbton sind.

Weitere Aufführungen der Oper bis 15. Mai: www.stadttheater-klagenfurt.at