Aus dem Leben eines Schriftstellers

Kultur / 12.04.2019 • 18:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Amos Oz im Dialog mit der Lektorin Shira Hadad.

Erzählung Wenn ein berühmter Autor stirbt, werfen Verlage schnell eine Neuauflage seiner Kurzgeschichten oder ein unbekanntes Frühwerk auf den Markt. Amos Oz, der zu den wichtigsten israelischen Schriftstellern gehörte, ist am 28. Dezember gestorben. Und tatsächlich hat Suhrkamp bereits ein neues Werk von ihm am Start. Doch „Was ist ein Apfel?“ gehört nicht zur Resteverwertung. Das Buch von Amos Oz und seiner Lektorin Shira Hadad ist das Gegenteil davon.

„Was ist ein Apfel“ ist wie ein Pod­cast mit einer stundenlangen Unterhaltung, bei der Oz und Hadad sich über die Arbeit und das Leben des Autors austauschen – im letzten Kapitel auch über seine Vorstellung von Tod und Sterben, und das auf hohem Niveau, aber so unterhaltsam, dass man immer weiter zuhören möchte. Hadad ist eine Lektorin, wie sie sich ein Schriftsteller nur wünschen kann: Sie kennt sein Werk so gut wie er selbst, sie schätzt seine Literatur, sie hat ehrliches Interesse an ihm, hinterfragt aber auch, was er ihr erzählt. Man spürt die Nähe zwischen den beiden, aber auch, dass Shira Hadad im Austausch dafür ihre Kritikfähigkeit nicht aufgegeben hat.

Themen, die bewegen

Die beiden haben im Jahr 2014 angefangen, sich zu unterhalten, während Hadad als Lektorin seinen Roman „Judas“ auf dem Schreibtisch hatte. Es ist nicht einfach eine Abschrift der Gespräche, eher eine Neukomposition, thematisch sortiert. Es geht um die Themen, die Amos Oz beim Schreiben bewegt haben: seine Flucht aus der Familie als Teenager nach dem Suizid seiner Mutter, sein Leben im Kibbuz, in dem er sich die Freiräume fürs Schreiben erst erkämpfen musste, seine Rolle als Autor in der israelischen Gesellschaft oder um das Verhältnis von Fantasie und Literatur. Was macht einen Apfel zum Apfel, fragt sich Oz. „Wasser, Erde, Sonne, ein Apfelbaum und etwas Dünger – der Apfel ähnelt keinem dieser Dinge. Sie alle machen ihn aus, aber er ist ihnen nicht ähnlich.“ So sei das mit Geschichten, „sie bestehen aus der Summe der Begegnungen, der Erfahrungen und aus Zuhören.“

„Was ist ein Apfel?“, Amoz Oz mit Shira Hadad, Suhrkamp Verlag, 174 Seiten