Gut, dass auch die Imperatorenlocke dem Schmelzofen entkam

13.04.2019 • 10:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Seeschlacht zwischen Römern und Vindelikern 15. v. Chr., visualisiert von Roland Gäfgen. Unten: Hundeskulptur aus der Römerzeit. vorarlberg museum

Seeschlacht zwischen Römern und Vindelikern 15. v. Chr., visualisiert von Roland Gäfgen. Unten: Hundeskulptur aus der Römerzeit. vorarlberg museum

Neue Ausstellung „Stadt Land Fluss“ enthält auch Neues über die Römer am Bodensee.

Christa Dietrich

Bregenz An der kleinen Marsfigur aus Bronze haben wir uns schon ergötzt, und dass ein bestens erhaltener Legionärshelm vom Leben in der Zeit in den ersten Jahrhunderten n. Chr. in der Bodenseeregion zeugt, wurde durch eine Schenkung an das Vorarlberg Museum vor einigen Jahren öffentlich, gehört hat er einem Numerius Pomponius. Im Wald oberhalb von Schaan ist das wertvolle Stück einst ausgegraben worden. Dass sich in Bregenz das größte Forum im Bodenseeraum als Versammlungs-, Gerichts- und Austauschort befand, weiß man, aber dennoch ist das immer wieder spannend. Funde, die auf die Ausschmückung der Anlage schließen lassen, die letztlich ja auch Repräsentationszwecken diente, sind nämlich marginal. Der Grund liegt auf der Hand: Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches hat man Reiterstandbilder und sonstige Großskulpturen eingeschmolzen und Teile von Bauwerken, die ihren Zweck somit erfüllt hatten, weiterverwendet.

Exotische Früchte

Die Hand einer vergoldeten Bronzestatue, das edelste, in den 1960er-Jahren ausgegrabene Relikt aus der Römerzeit, ist irgendwie dem Schmelzofen entkommen. Dasselbe gilt für einen Pferdehuf und Haarlocken aus Bronze, die wohl zu einem Imperatorenstandbild gehörten, denn in der Provinz wurde solcherart gerne verdeutlicht, wer in Rom der Herrscher ist. Nicht alle Funde sind eindeutig identifizierbar. Bei einer kleinen, wunderbar ausgeführten Hundeskulptur ist sich auch der Archäologe Gerhard Grabher nicht sicher, ob es sich um eine Art Grabbeigabe oder doch um ein reizvolles Spielzeug handelt. Es ist aber fraglos ein anziehendes Stück in der Ausstellung „Stadt Land Fluss“, die am Freitagabend im Vorarlberg Museum in Bregenz eröffnet wurde, nachdem man sie schon um den halben Bodensee geschickt hatte. Solche Kooperationen mit benachbarten Institutionen haben sich bewährt. Nach den Kelten sind somit die Römer dran, die in der Geschichte von Bregenz, der einstigen Stadt Brigantium, die größte Rolle spielten, während andere Orte immerhin auf Siedlungen, Kastelle oder Gutshöfe verweisen können. Die Umrisse eines solchen, durchaus mächtigen Bauwerks, dem eine wichtige Funktion bei der Versorgung der Bevölkerung zukam, sind beispielsweise auf einem Luftbild aus der Gegend um Altshausen in Deutschland auszumachen. Gerhard Grabher geht zwar davon aus, dass Wissenschaftler, die die Zahl der Menschen, die damals im Bodenseeraum lebten, mit weit mehr als 100.000 angeben, zu großzügig in ihrer Schätzung sind, gelebt hat man im Großen und Ganzen aber nicht schlecht. Wasserleitungen und Bodenheizungen boten zumindest der oberen Schicht Komfort, ausgebaute Wege und das dichte Handelsnetz der Römer haben den Speiseplan enorm erweitert. Obstreich war die Bodenseeregion wohl damals schon, aber viele Gewürze, Kräuter, exotische Früchte, Öle oder verschiedene Nüsse kamen aus dem Süden oder aus Gegenden, wo die Römer eben sonst noch waren, die schon vor fast 2000 Jahren eine Art europäische Union bildeten.

Die Ausstellung soll vor allem auch Kinder ansprechen, die erfahren können, dass ihre Vorfahren schon im Lesen und Schreiben unterwiesen wurden, und zwar im Allgemeinen Buben und Mädchen.

Geöffnet bis 25. August im Vorarlberg Museum in Bregenz, Kuratorenführungen mit dem Archäologen Gerhard Grabher am 19. Mai und 16. Juni, 15 Uhr.