Den Trost erfahren

15.04.2019 • 17:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Malerei von Christoph Luger tritt in der Johanniterkirche in den Dialog mit dem Raum. R. Sagmeister
Die Malerei von Christoph Luger tritt in der Johanniterkirche in den Dialog mit dem Raum. R. Sagmeister

Für die Arbeiten von Christoph Luger ist die Johanniterkirche ein absolut geeigneter Ort.

Christa Dietrich

Feldkirch Die Arbeiten auf Papier von Christoph Luger sind einerseits als vielschichtige Farblandschaften zu begreifen, andererseits tritt angesichts der Malerei des Vorarlberger Künstlers (geb. 1957) sowie der Wahl des Trägermaterials auch der Begriff Haut ins Zentrum. Als wunderbares, schützendes, aber auch verletztes bzw. verletzbares Geflecht nimmt der Betrachter die Arbeiten wahr. Dabei ist unmittelbar festzustellen, dass sie in der Johanniterkirche, in einem der schönsten Ausstellungsorte in der Region, einen idealen Raum gefunden haben. Seit nahezu 25 Jahren wird hier, an diesem geschichtsträchtigen Ort, an dem die sakrale Aura noch spürbar ist, die Begegnung mit Kunst ermöglicht. Was Eva Jakob (1933–2017) organisierte und jahrelang leitete, wird seit geraumer Zeit von Arno Egger fortgesetzt.

Mit dem seit Jahren in Wien lebenden Christoph Luger wollte der Kunstvermittler und Kurator schon seit Längerem zusammenarbeiten. Der jetzige Termin ist zwar dem Zufall geschuldet, Kontemplation, nach der die Menschen im beginnenden Frühjahr suchen, wird ermöglicht, obwohl der etwas spröde Raum mit seinem leicht baufälligen Ambiente und den Spuren der Vergangenheit im Grunde genommen nicht leicht zu bespielen ist. Dass den Kuratoren wie den Künstlerinnen und Künstlern diese Herausforderung immer wieder gelingt, zählt wohl zum Besonderen in der Johanniterkirche. Mit der aus China stammenden US-amerikanischen Künstlerin Emily Cheng will Arno Egger das Programm heuer weiterführen. Bevor Ende des Jahres hier die Ergebnisse eines regionalen Schülerprojektes präsentiert werden, gehört der Raum dann noch dem Vorarlberger Marbod Fritsch.

Aus mehreren Schaffensphasen

Bis 25. Mai ist nun Christoph Luger mit Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen so präsent, dass fast von einer kleinen Retrospektive gesprochen werden kann. Die besonders großformatigen Kohle­bilder sind mehrere Jahrzehnte alt, verbinden durch die überlegte Hängung den einstigen Chorraum mit jenem der Gläubigen. Für eines dieser Bilder wurde Luger mit den renommierten Otto-Mauer-Preis ausgezeichnet. Das Land Vorarlberg hatte es angekauft, ein Werk, das lange Zeit einfach nur im Depot verwahrt wurde, tritt nun in einigen augenfälligen Dialog mit dem Raum. Christoph Luger schafft sozusagen Wandmalereien zwischen Fresko und Bild. Der papierene Malgrund wird oft Schicht für Schicht verklebt, verkleistert und gehängt oder aufgespannt, bevor oder während der eigentlich Malprozess einsetzt. Die Assoziation mit der Haut ist somit naheliegend. Christoph Luger hat es sich zudem zu eigen gemacht, in zeitlich regelmäßigen Abständen ein Werk zu schaffen. Wer sich darauf einlässt, verknüpft die nun zu sehenden Arbeiten – ob sie nun im Raum hängen oder sozusagen in Buchform aufliegen – mit einem Zeit- und Lebenslauf. Lugers Bildwelten öffnen uns Welten und Landschaften, sie haben in ihrer Vielschichtigkeit auch etwas Tröstendes.

Es ist interessant zu wissen, dass der Vorarlberger, der zu Studienzwecken wegzog und mittlerweile in der ehemaligen Zacherlfabrik in Wien ein Atelier betreibt, einst auch als Restaurator in Kirchen tätig war. Man erinnert sich gerne an seine Ausstellung vor zwei Jahren im Engländerbau in Vaduz. Wenn es darum geht, sich etwas zu visualisieren, das mit der jetzigen Präsenz in der Johanniterkirche mithalten kann, dann muss man allerdings weit zurückblicken, hat das Bild vor Augen, das sich im Wiener Semper-Depot bot. Schön, dass es nun ausgerechnet in Feldkirch wieder zu einem so starken Auftritt kommen konnte.

Zur Person

Christoph Luger

Geboren 1957 in Bregenz

Ausbildung Akademie der bildenden Künste in Wien (Max Melcher und Josef Mikl)

werdegang zahlreiche Ausstellung und Ausstellungsbeteiligungen

auszeichnungen u. a. Otto-Mauer-Preis

Die Ausstellung in der Johanniterkirche in Feldkirch (Marktgasse 1) ist bis 25. Mai, Di bis Fr, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr und Sa, 10 bis 14 Uhr geöffnet.