Bei der Schubertiade wirken heuer zahlreiche Interpreten aus Vorarlberg mit

20.04.2019 • 15:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Kammerchor Feldkirch unter Benjamin Lack wird heuer gleich zwei Mal bei der Schubertiade auftreten. SOV/Mathis
Der Kammerchor Feldkirch unter Benjamin Lack wird heuer gleich zwei Mal bei der Schubertiade auftreten. SOV/Mathis

Das Festival ist eine Plattform für Stars und Debütierende.

HOHENEMS Einmal das Oktett in F-Dur, je zweimal die Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“ sowie das „Forellenquintett“, dreimal das Streichquintett in C-Dur: Die Standardwerke Franz Schuberts bilden auch bei der 44. Schubertiade, die am 27. April im Markus-Sittikus-Saal beginnt, das Rückgrat der insgesamt 75 Konzerte in Hohenems und Schwarzenberg. Sie halten das Interesse eines pro Saison bis zu 30.000 Besucher zählenden Publikums aus aller Welt an diesem Festival wach und ermöglichen damit spannende Interpretationsvergleiche zwischen bereits bekannten und bei diesem Festival debütierenden Künstlern.

Daneben gelingt es Geschäftsführer Gerd Nachbauer, seiner Zentralfigur Franz Schubert unter Beibehaltung dieses klaren Profils immer wieder neue Aspekte zu entlocken. Neben den bereits in den vergangenen Jahren regelmäßig auftretenden Musikern Kian Soltani, Violoncello, und Aaron Pilsan, Klavier, beide mittlerweile bereits international renommiert, werden diesmal auch weitere Künstler aus Vorarlberg im Programm vertreten sein. So sind in einem geistlichen Konzert am 4. Mai erstmals die Gesangssolisten Sabine Winter, Sopran, Isabel Pfefferkorn, Alt, und der kürzlich zum Stipendiaten des Richard-Wagner-Verbandes ernannte Bassist Martin Summer zu hören, gemeinsam mit Domorganist Johannes Hämmerle.

Alex Ladstätter debütiert

Bei einem gemischten Liederabend wird auch der Bregenzer Klarinettist Alex Ladstätter sein Schubertiade-Debüt feiern. Darüber hinaus kommt auch der Kammerchor Feldkirch, der sich unter seinem Dirigenten Benjamin Lack zuletzt an großen Aufgaben profilieren konnte, gleich zweimal zu Festival-Ehren. Gemeinsam mit Toppianist Igor Levit wird Rossinis „Petite messe solennelle“ aufgeführt, beim Abschlusskonzert gedenkt man des 400. Todestags von Fürsterzbischof Markus Sittikus, der unter anderem mit dem Bau des Doms wesentlich das Stadtbild Salzburgs geprägt hat. Mit dem Gedenken an den großen Hohenemser wird die Schubertiade quasi eingerahmt, denn auch beim Eröffnungskonzert singt Sophie Rennert unter dem Motto „Morire d’amore“ Arien aus der Zeit von Markus Sittikus.

Es gibt weitere Gedenkanlässe. Der Bariton Benjamin Appl erinnert daran, dass vor 200 Jahren erstmals ein Lied von Schubert öffentlich gesungen wurde. Ein von Altmeister Graham Johnson moderiertes originelles „Handwerker-Programm“ zeigt auf, wie Schubert seine Einfälle auch einzelnen Berufssparten seiner Zeit gewidmet hat. Der 26-jährige Pianist Kit Armstrong wird in vier Funktionen zu erleben sein: als Solopianist, Kammermusiker, Liedbegleiter und als Komponist, der sechs Gedichte der deutschen Schriftstellerin Ulla Hahn vertont hat, die am 30. April uraufgeführt werden. Die Autorin selbst wird in einem „Lyrikkonzert“ unter dem Titel „Mit den Ohren schreiben“ einen zu diesem Anlass verfassten poetisch-musikalischen Dialog mit Franz Schubert präsentieren. Alfred Brendel, als Pianist viele Jahre eine Legende der Schubertiade, wird in einem Musikgespräch mit Peter Gülke über „musikalische Interpretationen“ diskutieren und arbeitet mit dem Eliot-Quartett an Schuberts G-Dur-Quartett D 887. Eine der aufregendsten Pianistinnen unserer Zeit, die Georgierin Khatia Buniatishvili, wird bei ihrem Klavierabend Teile ihrer aktuellen CD präsentieren. Sie hat dieses Album im Vorjahr im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems aufgenommen, der inzwischen als Aufnahmestudio bei zahlreichen Künstlern immer beliebter wird. Das berühmte Apollon Musagète Quartett mit Pawel Zalejski, dem Konzertmeister des SOV, als Primgeiger, beginnt heuer einen Zyklus aller 16 Streichquartette Franz Schuberts.

Ausbau des Museumsquartiers

Eine Lieblingsbeschäftigung Gerd Nachbauers neben seiner Intendanten-Tätigkeit ist der weitere Ausbau seines Museumsquartiers mit insgesamt sieben Ausstellungen in Hohenems: „Die Museen verändern sich jedes Jahr, so werden das Legge- und das Schwarzkopf-Museum mit sehr persönlichen Dokumenten von Größen des Musiklebens wieder neu bestückt. Wir erhalten auch von prominenten auswärtigen Besuchern immer wieder große Anerkennung.“ Im Schwarzkopf- und im Legge-Museum wurde als Neuerung die Lebenschronik der Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf mit Details aus verschiedenen, inzwischen neu aufgetauchten Dokumenten komplettiert und nicht mehr wie früher thematisch, sondern chronologisch geordnet. Enthalten ist auch eine nach heutigen Erkenntnissen vermutlich komplette Liste ihrer zahllosen öffentlichen Auftritte, von der Studentenzeit bis zu ihrem Abschied von der Bühne, und eine Auflistung ihrer unzähligen Schallplatten-Einspielungen, die großteils von ihrem Gatten Walter Legge als Produzent betreut wurden. Ein Universitätsprofessor aus Frankfurt hat sich kürzlich angesichts dieser Schwarzkopf-Ausstellung erstaunt gefragt: „Wie kommt eine so hochkarätige Sammlung in eine Kleinstadt und ist nicht etwa in London zu sehen?“ Fritz Jurmann

Die Schubertiade beginnt am 27. April mit einem Lieder- und Arienabend mit Sophie Rennert und David Bergmüller im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems: www.schubertiade.at