Projekte des Jüdischen Museums Hohenems in Sydney vertreten

Kultur / 23.04.2019 • 08:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Projekte des Jüdischen Museums Hohenems in Sydney vertreten
Die Ausstellung „Jukebox.Jewkbox. Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl“ wurde vor wenigen Tagen im Jüdischen Museum in Sydney eröffnet. JHM

Projekte des Jüdischen Museums Hohenems sind wieder auf Tour: “Jukebox” ist in Sydney gelandet.

Hohenems, Sydney, München Als Emil Berliner, geboren 1851 in Hannover, im Jahr 1870 in die USA auswanderte, war nicht klar, dass der junge Mann aus einer jüdischen Familie dort auch sein Glück finden wird. Was ihn antrieb, war aber Fleiß, Neugierde und Erfindergeist, die er im preußischen Militärdienst, der ihm drohte, ohnehin nicht zum Einsatz hätte bringen können. Er hielt sich mit harten Gelegenheitsjobs über Wasser und richtete sich ein Labor ein, in dem er mit allerlei elektronischen Geräten experimentierte. Zu seinen Erfindungen, die er anmeldete, zählten auch ein scheibenförmiger Tonträger und das passende Abspielgerät. Berliner gilt als Erfinder der Schallplatte. Ein Emigrant hatte somit die Musikwelt verändert und revolutioniert.

Wie viele jüdische Verleger, Komponisten und Künstler die Anfänge der populären Musik bzw. des Jazz geprägt hatten, hat Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museum Hohenems, im großen Projekt “Jukebox. Jewkbox! Ein jüdisches Jahrhundert  auf Schellack & Vinyl” dokumentiert. Vor über vier Jahren stieß bereits die Premiere in Vorarlberg auf enorme Aufmerksamkeit. Schnell war klar, dass die Ausstellung auf Tournee geschickt wird. Die wichtigsten Stationen waren das Museum für Kommunikation in Frankfurt, das Jüdische Museum in London, jenes in Warschau sowie die Jüdischen Museen in München und in Amsterdam. Monatelang vergnügte und informierte man sich auch im Museum der Stadt Graz mit und über Jazz- und Popularmusik. Der Verleger Monroe H. Rosenfeld (1861-1918), der selbst Hunderte Musikstücke schrieb, war es übrigens, der in einem seiner journalistischen Arbeiten das Klimpern der Klaviere in der 28. Straße von Manhattan mit dem Klappern von Zinnpfannen verglich und damit den Namen “Tin Pan Alley” für eines der Zentren der Musikindustrie prägte.

„Wir haben die ,Jukebox‘-Schau überall mitbetreut oder vor Ort ergänzt.“

Hanno Loewy, Dir. Jüdisches Museum Hohenems

Vor wenigen Tagen ist die Ausstellung nun im Jüdischen Museum in Sydney eröffnet worden, wo man sie – ähnlich wie in Warschau, wo man auch auf die polnische Musik Bezug nahm – mit Informationen zu Musikgrößen aus Australien ergänzte. “Jukebox, Jewkbox!” ist bis Jänner nächsten Jahres in Sydney zu sehen und vorläufig die letzte Station eines Ausstellungsprojekts, das sich mittlerweile damit als so weltumspannend erwies wie die Musik selbst.

Nächster Tourneestart

Während im Jüdischen Museum in Hohenems vor rund zwei Wochen die Sonderausstellung “All About Tel Aviv-Jaffa” mit zahlreichen Fotografien aus einer Stadt eröffnet wurde, in der die Geschichte ebenso erfahrbar wird wie erfolgreiche touristische Vermarktungsmechanismen oder die Folgen der Gentrifizierung, ist ein anderers Projekt bereits unterwegs nach München. Im Jüdischen Museum wird am 29. Mai die Ausstellung “Sag Schibbolet!” eröffnet.

Der Titel bezieht sich auf die biblische Erzählung von der Flucht der Efraimiten vor den siegreichen Gileaditern und ihrem tödlichen Scheitern, weil sie das Wort „Schibboleth” angeblich hebräisch ausgesprochen und sich damit verraten haben. Der Künstler Lawrence Abu Hamdan (geb. 1985 in Beirut) beschäftigte sich im Vergleich zu dieser Geschichte mit Sprachanalysen, die in der Tat in Holland zur Bestimmung der Herkunft von Asylsuchenden eingesetzt wurden. Die in Hohenems erstellte kritische Betrachtung von Grenzziehungen in der Gegenwart ist in München bis Ende Februar nächsten Jahres zu sehen.

Die Jukebox-Ausstellung im Jüdischen Museum Sydney läuft nun bis Jänner 2020, “Sag Schibbolet!” wird am 29. Mai im Jüdischen Museum in München eröffnet.