Werke der Vorarlberger Komponistin Gerda Poppa

Kultur / 29.04.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ensemble plus bei der Aufführung von Werken von Gerda Poppa im Vorarlberg Museum in Bregenz. JU

Das Ensemble plus präsentierte Gerda Poppas Kompositionen von 2006 bis heute.

BREGENZ Seit über 20 Jahren gibt das heimische Ensemble plus den Komponisten des Landes Werkaufträge und vermittelt ihnen in der seit 2001 bestehenden Reihe „Sul Palco“ auch eine Plattform für eine stilgerechte und qualitätsvolle Aufführung ihrer Stücke. Dabei geschieht es selten, dass ein solches Konzert, wie nun im Vorarlberg Museum, als Porträt ganz dem Schaffen einer einzigen Person gewidmet ist. Eine Werkschau verdeutlichte vor zahlreichem Publikum die künstlerische Entwicklung der aus Röthis stammenden Komponistin Gerda Poppa seit 2006 und gipfelte in einer Uraufführung.

Poppa ist über die Orgelimprovisation und ein intensives Studium bei Herbert Willi am Landeskonservatorium relativ spät zum Komponieren gekommen. Eines ihrer frühesten Werke war 2006 die Vertonung des 23. Psalms, „O Herr, sei unser Hirt“, den Poppa als Säule des Glaubens in eine Bitte umgewandelt hat. Das gibt der Sopranistin Christine Schneider Gelegenheit, neben der lyrischen Note auch die Steigerung in einen aggressiv fordernden Sprechgesang überzeugend zu artikulieren. Als kommentierende Stimme assistiert der Flötist Giovanni Fanti, der kraftvoll-eigenständige Klavierpart ist Martin Gallez anvertraut.

Kindheitserinnerungen

Aus dem Jahr 2011 stammt Gerda Poppas Zyklus „feelings“ für Querflöte solo, in dem sie dem Instrument sechs ausgeprägte Stimmungen menschlicher Befindlichkeiten anvertraut hat. Die Solistin Anja Nowotny-Baldauf wird den verschiedenen geforderten ungewohnten Spieltechniken auf imponierende Weise gerecht. Für die Veranstaltung „Texte und Töne“ entstand 2017 das Ensemblestück „Experiences“ für 13 Musiker, das vom Ensemble plus unter der souveränen Leitung von Thomas Gertner auf hohem Niveau umgesetzt wird. Äußere Einflüsse wie vor allem persönliche Erlebnisse, die Gerda Poppa zu diesem Werk inspirierten, bilden auch die Basis ihres neuesten Werks „Kaleidoskop“, das zum Abschluss uraufgeführt wird. Es geht um Kindheitserinnerungen der Komponistin in Rankweil, die etwas plakativ in Musik umgesetzt werden: ein Knochentanz am Xylophon für das Beinhaus von St. Peter, Vogelgezwitscher am Ostermorgen, zwielichtige Geisterstimmung in den hohen Streichern für die verlassene Villa Häusle oder die wilden Flammen am Funkensonntag. Der Vorwurf einer oftmals verpönten, bloß illustrativen Programmmusik wird hier freilich relativiert, weil das Werk in der originellen, ironisch distanzierten Themenerfindung, einer gut klingenden Instrumentierung und einer nahe am Hörer angesiedelten Musiksprache auf andere Art durchaus seine Qualitäten aufweist. Das zeigt auch der begeisterte Applaus für die Komponistin und das achtköpfige Ensemble plus als Auftraggeber. FRITZ JURMANN