Augenzwinkernder Rossini-Spaß

Kultur / 02.05.2019 • 18:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gioachino Rossinis Oper „Il turco in Italia“, die im Opernhaus Zürich zu sehen ist, spielt mit Klischees. Hans Jörg Michel
Gioachino Rossinis Oper „Il turco in Italia“, die im Opernhaus Zürich zu sehen ist, spielt mit Klischees. Hans Jörg Michel

So beschert eine 200 Jahre alte Buffo-Oper auch anno 2019 reuefreien Genuss.

ZÜRICH Der Türke Selim kommt nach Italien – und prompt bandeln der orientalische Frauenheld und die italienische Ehefrau Fiorilla heftig miteinander an. Auch die von Selim verstoßene Zaida und weitere (unglückliche) Liebhaber mischen mit. Fiorillas alternder Ehemann Don Geronio nimmt die Schmach nicht kampflos hin, und der Dichter Prosdocimo nutzt das Personal gleich für eine neue Komödie.

Klischees? Aber sicher! Schon Gioachino Rossini und sein Librettist Felice Romani also haben in der 1814 uraufgeführten komischen Oper „Der Türke in Italien“ („Il turco in Italia“) lustvoll mit ihnen gespielt. Der deutsche Regisseur Jan Philipp Gloger zurrt in seiner in der unmittelbaren Gegenwart angesiedelten Neuinszenierung des Zweiakters am Zürcher Opernhaus die Konfliktfäden noch fester zusammen. Kritisch-augenzwinkernd jongliert er mit Vorurteilen Fremden gegenüber, wie sie zum Teil in der aktuellen Flüchtlingsdebatte auftauchen. Virtuos werden Möglichkeiten einer Klipp-Klapp-Dramaturgie von Farcen à la Feydeau genutzt.

Die Figur des Prosdocimo, den Pietro Spagnoli pointensicher als abgewirtschafteten Dokumentarfilmemacher gibt, dient Gloger auch als Verweis auf Leute, die ohne Scham Intimitäten profitabel zu machen suchen. Das alles geschieht frisch-flink und so, dass weder das Rossinische Original zu leiden braucht noch auch ein bemühtes Aufdatieren des Stoffes resultiert. Das Bühnenbild von Ben Baur, das fleißig auf dem Drehbühnenteller kreist, zeigt Waben eines Mietshauses und liefert das perfekte Setting für die Regievorgaben. Allerbestens lassen sich hier Parallelwelten zeigen, Ehezwist, Zickenkrieg und Nebenbuhler-Kollision bis zum Siedepunkt hochkochen und die finalen Versöhnungen mit doppelbödiger Ironie aufladen.

Keine Wünsche offen

Gerade zu Beginn zieht in eine der Wohnungen auch Selim. Nahuel Di Pierro führt ihn als eine Art von Latinlover vor und lässt als Sänger ebenfalls keine Wünsche offen. Auch Julie Fuchs als Fiorilla vereint gesangliche Bravour mit schauspielerischer Gewitztheit. Renato Girolami ist offenkundig eine mit allen Wassern der Rossini-Komik gewaschene Idealbesetzung für den Don Geronio, der noch als Nachfahre des Pantalone aus dem Typenarsenal der Commedia dell’arte erkennbar wird.

Der Abend profitiert hörbar von der Rossini-Kompetenz des Dirigenten Enrique Mazzola. Die Philharmonia Zürich agiert unter seiner Leitung spritzig, wendig, gut durchhörbar, rhythmisch prickelnd und mit kantabler Melodielinienführung.

Nächste Vorstellungen (gegen 3 Std.) am 5., 10., 14., 18. und 23. Mai: www.opernhaus.ch