Vom hohen Wert eines Bildungsorts

02.05.2019 • 08:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bildnis Rudolf Wacker von Oswald Baer.  Rudolf Sagmeister
Bildnis Rudolf Wacker von Oswald Baer. Rudolf Sagmeister

Das Rohnerhaus präsentiert Rudolf Wacker und seine Freunde.

Lauterach Es sei ein eigenartiges Gefühl, auf die eigene Gesichtsmaske zu blicken, ließ Rudolf Wacker wissen. Geschaffen hatte sie mit Franz Plunder (1891-1974) eine höchst facettenreiche Persönlichkeit. Plunder war so sportlich wie kunstsinnig, ist vor allem auch den Seglern ein Begriff und sollte mit seinem bildhauerischen Werk in Vorarlberg längst entsprechend präsent sein. Alwin Rohner, der passionierte Kunstsammler, der vor einigen Jahren ein Museum in Lauterach eröffnete und dort die Auseinandersetzung mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Region ermöglicht, erinnert in der jüngst eröffneten Ausstellung auch an ihn.

„Rudolf Wacker und seine Künstlerfreunde“ heißt die Schau, die ein Jahr lang zu besichtigen ist und aus gutem Grund eine längere Laufzeit hat. Schon vor einiger Zeit hat sich Rohner dazu entschlossen, das Haus einmal im Monat frei zugänglich zu machen und es nach individuellen Bedürfnissen für angemeldete Gruppen zu öffnen. Rudolf Wacker (1893-1939) hätte das zugesagt, wird damit doch das thematisiert, was dem Maler aus Bregenz wichtig war und was die Sonderschau zum Ausdruck bringt, nämlich das Diskutieren über Kunst mit Gleichgesinnten.

Treffen mit Bauhaus-Designerin

Während das Hineinfinden Wackers in die Kunst, die ihm half, harte Kriegserlebnisse so weit zu verarbeiten, dass der Aufbau einer Existenz nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft möglich war, bei der Betrachtung seiner Selbstbildnisse nachvollziehbar wird, die auch das Vorarlberg Museum bis vor wenigen Monaten in einer Sonderschau zeigte, erfährt der Besucher im Rohnerhaus vor allem vom intensiven Austausch mit Künstlerkollegen. Oswald Baer zeigt einen entspannten Künstler, John Jack Vrieslander den Intellektuellen. Otto Herbig macht klar, dass in der Zwischenkriegszeit in der Bodensee­region gewinnbringende Treffen stattfanden. Man hat sorgenvoll in die Zukunft geblickt, gewarnt und das anhand kleiner Merkmale in expressionistischen oder der Neuen Sachlichkeit zuzuordnenden Arbeiten bekundet. Interessant ist auch, dass sich Wacker mit Künstlern und Architekten des Bauhaus traf, dabei war mit Lilly Reich auch eine erfolgreiche Designerin. VN-CD

Die Ausstellung ist im Rohnerhaus in Lauterach (Kirchstraße 14) bis zum 5. April 2020 geöffnet, jeden ersten Sonntag im Monat und nach Vereinbarung: www.rohnerhaus.at