Aus Ekel vor der Gesellschaft

Kultur / 03.05.2019 • 18:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Viel mehr als eine Abrechnung von Bret Easton Ellis.

Roman Einmal lamentiert Bret Easton Ellis nach Art von US-Präsident Donald Trump: „Ich bezweifle, dass irgendein Autor meiner Generation schlimmere Rezensionen bekommen hat als ich.“ Das schreibt einer, der mit „Unter Null“ Mitte der 1980er erst zum Jung-Star wurde und später mit dem Serienkiller-Bestseller „American Psycho“ endgültig in den Literaturkanon der Postmoderne einzog. „Nicht schon wieder Donald Trump“, möchte man bei der Lektüre von Ellis‘ eben auf Deutsch erschienenen Buch „Weiß“ stöhnen. In dem wegen seiner Gewaltszenen Anfang der 1990er höchst umstrittenen Roman wirft man dem massenmordenden Wall-Street-Yuppie Patrick Bateman, der seinem Idol verfallen ist, an den Kopf: „Diese Obsession muss aufhören!“ Auf seine wichtigste literarische Figur kommt Ellis in „Weiß“ immer wieder zurück. Neun Jahre nach seinem letzten Roman „Imperial Bedrooms“ ist „Weiß“ nun eine Mischung aus Autobiografie und Zeitgeistanalyse. Darin nimmt der 55-jährige US-Autor die demokratische Linke mächtig ins Visier. Sein um rund zwei Jahrzehnte jüngerer Freund wirft ihm vor, er sei „ein Trump-Apologet“. Dabei gibt Ellis zu verstehen, den Republikaner gar nicht gewählt zu haben.

Auf das Buchcover der Originalausgabe sind neben dem englischen Titel „White“ auch die Wörter „Privileged“ und „Male“ gedruckt. Ellis macht sich zum „privilegierten weißen Mann“ und damit selbst zum Angriffsobjekt des von ihm bekämpften angeblichen Mainstream. Selten hat jemand in dieser Schärfe die Geschichte der westlichen Kultur der vergangenen 30 Jahre umrissen, die mit dem „größten Underdog aller Zeiten“ im Oval Office gipfelte. Ellis bleibt bei seiner Argumentation gewollt einseitig und lässt Themen wie Rassismus oder Frauenfeindlichkeit großteils außen vor. „Weiß“ sollte man als Debattenbeitrag lesen – von einem, der seit jeher ein wenig anmaßend ist: „Wir ekelten uns vor der Gesellschaft, die uns geschaffen hatte.“

„Weiß“, Bret Easton Ellis, Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten.