Vorarlberg hat mit der Arche Noah ein neues Museum mit einzigartigen Kunst- und Naturschätzen

03.05.2019 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Museum sind 107 Kunstwerke aus 130 Jahren Kunstgeschichte zu bestaunen.VN/STEURER

Textilunternehmer Hans Bäumler macht seine umfangreiche Privatsammlung der Öffentlichkeit zugänglich.

Hohenems Zwei einzigartige Sammlungen bereichern die Vorarlberger Museumslandschaft. Textilunternehmer Hans Bäumler (80) macht mit dem neuen Museum Arche Noah – Sammlung Kunst und Natur seine umfangreiche private Kunst- und Natursammlung in den Räumlichkeiten der ehemaligen, familieneigenen Textilfabrik in Hohenems der Öffentlichkeit zugänglich. Unter einem Dach finden sich zwei bemerkenswerte Sammlungen, die in der Region und darüber hinaus ihresgleichen suchen.

Jahrzehntelange Sammelleidenschaft

Die „Sammlung Kunst“ ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kunstbegeisterung von Hans Bäumler. Als Unternehmer in der Bekleidungsindustrie begann Bäumler Bierkrüge und antike Stiche mit Darstellungen des Schneiderhandwerks zu sammeln. „Letztendlich hat es mich zur bildenden Kunst gezogen“, sagt Bäumler. In den 60er-Jahren tätigte der Ingolstädter seine ersten Kunsteinkäufe, aus denen eine bis heute währende Sammelleidenschaft entstand. „Diese begann mit der alpenländischen Malerei des 19. Jahrhunderts sowie der Münchner Schule, die mich fasziniert haben.“ In den 2000er-Jahren ergänzte Bäumler seine Sammlung um eine Vielzahl von Kunstwerken des Impressionismus und der frühen klassischen Moderne. „Mit der steigenden Zahl und Qualität der Kunstwerke entstand der Gedanke, diesen ein eigenes Museum zu widmen“, beleuchtet Bäumler die Hintergründe.

Hans Bäumler vor dem Werk  "Pichet et Bougeoir" von Pablo Picasso.
Hans Bäumler vor dem Werk „Pichet et Bougeoir“ von Pablo Picasso.

Zehn Jahre dauerte es von der Planung bis zur Eröffnung des Museums. Kunsthistoriker Tobias G. Natter war maßgeblich an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Er leitete die Präsentation, Aufstellung und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Exponate. „Für Vorarlberg bedeutet dieses Museum einen absoluten Glücksfall“, freut sich Natter und betont, man habe sich bei allen Werken hinsichtlich Qualität, Authentizität und Provenienz abgesichert. Ein erster Blick in den Ausstellungsraum macht deutlich, welche besonderen Schätze Bäumler in den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen hat. Zu sehen sind 107 Kunstwerke aus 130 Jahren Kunstgeschichte. Den Beginn machen unter anderem Werke von Ferdinand Georg Waldmüller und Franz von Defregger sowie eine große Sammlung an Meisterwerken des deutschen Malers Carl Spitzweg, meist kleinformatige Bilder mit Anekdoten des Alltags.

Der Fokus der Sammlung liegt aber auf dem französischen Impressionismus. Édouard Manet (u. a. „Junges Mädchen mit Kind“, 1879), Claude Monet (u. a. „Bei Vétheuil“, 1881) und Pierre-Auguste Renoir (u. a. „Bildnis der Marthe le Coeur“, 1873) sind mit jeweils fünf Gemälden vertreten. Von Paul Gauguin ist das Werk „Wiese auf Martinique“ (1887) und „Stillleben mit Tomaten“ (1883) zu sehen.

In der Ausstellung werden französische Gemälde dem Impressionismus deutscher Prägung gegenübergestellt. „Es soll ein Dialog über Gemeinsamkeiten und Unterschiede entstehen“, erklärt Tobias Natter. Der deutsche Impressionismus ist unter anderem mit Max Liebermann und Lovis Corinth prominent vertreten, aber auch mit Franz Marc, August Macke, Max Pechstein oder Emil Nolde. Der Rundgang endet mit „Pichet et Bougeoir“ einem beeindruckenden Stillleben von Pablo Picasso aus den Jahren 1945/46.

Natursammlung

In einer zweiten Sammlung spiegelt sich die Naturleidenschaft von Hans Bäumler wider. Auf einer Fläche von 600 Quadratmetern, die auch optisch an das biblische Schiff erinnert, präsentiert der Sammler Tierpräparate und Funkstücke aus der Natur, darunter heimische Wildtiere, rund 200 Vögel, 500 Schmetterlinge sowie eine umfangreiche Auswahl an Fossilien und Mineralien.

Viele Tierpräparate finden sich in der Sammlung Natur in der Arche Noah.
Viele Tierpräparate finden sich in der Sammlung Natur in der Arche Noah.

Der radikale Klimawandel, der zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verschwinden lasse, aber auch der Kunstmarkt, durch den viele Werke nach Auktionen aus der Öffentlichkeit verschwinden, waren Gründe, die Arche Noah zu eröffnen. „Mein Ziel ist es, der Öffentlichkeit den Anblick von Vergangenem zu ermöglichen.“

Arche Noah – Sammlung Kunst und Natur: Bäumler Park, Markus-Sittikus-Straße 20, Hohenems. Buchungen für Führungen unter: www.arche-noah-museum.at/fuehrungen