Eine Lust- und Denkkammer im Künstlerhaus Bregenz

Kultur / 07.05.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gabriele Fulterer und Christine Scherrer lassen es leuchten. VN/PAULITSCH

In zwei neuen Ausstellungen werden starke Themen abgehandelt.

Christa Dietrich

Bregenz Das Repertoire von Gabriele Fulterer und Christine Scherrer ist umfangreich, und dennoch bringen die aus Vorarlberg stammende und die Salzburger Künstlerin, beide Jahrgang 1967, die Dinge auf den Punkt: Wenn sie irgendwo auftreten, sei es im öffentlichen Raum, in einer Galerie (in Vorarlberg war das die Galerie Lisi Hämmerle) oder in einem Künstlerhaus, wie es das Palais Thurn und Taxis ist, dann sind sie felsenfest präsent.

Mit „Hardcore“ sind ihre neuen Arbeiten übertitelt. Es wird diesmal nicht gestickt, es werden keine Skulpturen durch die Gegend geschleppt, die uns zu Fragen auffordern, was denn eigentlich auf einen Sockel gehört oder was das mit dem Sockel überhaupt noch auf sich hat, es wird dick und vor allem sehr farbenreich aufgetragen. Man mag angesichts der dreidimensionalen Wandobjekte nach möglichen Anknüpfungen zur konkreten Kunst suchen, man mag sich von der mit Buntheit gebrochenen Strenge, die die geometrischen Arbeiten vermitteln, angezogen fühlen. Hier wurden Holzkeilrahmen bemalt und mit Industriegurten zusammengefügt. Was im Erdgeschoß noch nach herkömmlicher Kunstpräsentation aussieht, knallt im Keller so richtig rein. Da werden die Objekte nämlich zu massiven Figuren, die im Schwarzlicht leuchten. Lichtkunst einmal anders oder einfach eine Lustkammer: Man entscheidet sich als Betrachter wohl gerne für beides und stellt fest, wie sicher Fulterer und Scherrer die Gefahr umgehen, das Thema Kerker gar zu banalisieren.

Skandinavische Künstler behandeln das Thema Identität.
Skandinavische Künstler behandeln das Thema Identität.

Dieser wie auch der zweite Teil der Ausstellung könnte sich locker im internationalen Kontext bewähren. Unter dem Titel „Knowing Me Knowing You“, abgeleitet von einem ABBA-Song, sind Arbeiten von skandinavischen Künstlern zusammengeführt. Dabei ist mit Ronja Svaneborg auch eine mittlerweile im Bregenzerwald lebende Dänin. Sie entwarf eine Art Diorama, das heißt, eine Installation, die die Zuordenbarkeit von Landschaften thematisiert. Das Duo Hesselholdt & Mejlvang wird noch deutlicher. Zu sehen sind Flaggen in verschiedenen Hauttönen. Die Staaten dazu gibt es nicht. Wozu auch? Der Mensch ist wesentlich, die Menschlichkeit, das Humane. Ahmed Umar verdeutlicht es mit einer Tracht, die Elemente aus verschiedenen Gegenden der Welt enthält.

Geöffnet bis 12. Mai, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So, 11 bis 17 Uhr im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz (Gallusstraße 10).