Einflussreich und umstritten

Kultur / 08.05.2019 • 18:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ab Anfang der 90er widmete sich Houellebecq ganz dem Schreiben. apa
Ab Anfang der 90er widmete sich Houellebecq ganz dem Schreiben. apa

Houellebecq erhält Staatspreis für Europäische Literatur.

Wien Als „Schöpfer eines höchst eigenwilligen literarischen Werks“ wird der französische Autor Michel Houellebecq heuer mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet. Laut Jurybegründung ist der 63-Jährige eine der einflussreichsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur. Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Preises findet am 26. Juli in Salzburg statt.

Houellebecq gehört zu den prominentesten und gleichzeitig umstrittensten Schriftstellern unserer Zeit. Um die „political correctness“ kümmert er sich dabei wenig – wozu er auch steht. Er sei der Radikalste von allen, sagte er einmal in einem Interview. Schockieren ist Teil seiner ästhetischen und seiner PR-Strategie. In dem 2001 erschienenen Buch „Plattform“ brachte er Feministinnen und Gegner der Prostitution auf die Barrikaden, weil er seinen sexuell frustrierten Protagonisten nach Thailand schickte und den Sextourismus feierte. Einige hingegen erwählten ihn zum Visionär. Denn er lässt das Buch mit einem Anschlag auf ein Feriendorf enden. Die Fiktion wurde von der Wirklichkeit eingeholt, als ein Jahr später bei einem islamistisch motivierten Bombenanschlag auf Bali mehr als 200 Menschen ums Leben kamen.

Houellebecqs Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt, unter seinen bisherigen Literaturpreisen finden sich der Prix Novembre oder der Prix Interallié. 2017 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird jährlich für das literarische Gesamtwerk eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat.