Ein risikoreiches Unternehmen

Kultur / 10.05.2019 • 19:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gustav Mahlers epochale achte Symphonie wird unter Dirigent Kirill Petrenko aufgeführt. Mathis/Veranstalter
Gustav Mahlers epochale achte Symphonie wird unter Dirigent Kirill Petrenko aufgeführt. Mathis/Veranstalter

Mahlers „Achte“ unter Petrenko wird für das SOV als Veranstalter zum Prüfstein.

BREGENZ Es dürfte das mit Abstand gewaltigste Klassik-Musikprojekt sein, das je in Vorarlberg gestemmt wurde, von der Anzahl der 330 Mitwirkenden her, aber auch in der philosophisch-geistigen und praktisch-musikalischen Bewältigung eines so kolossalen Musikgebildes, wie es Gustav Mahlers Symphonie Nr. 8 in Es-Dur als eines der am größten besetzten Werke der Musikgeschichte darstellt. Am Olymp des Zyklus „Mahler 9 x 9“ des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV) mit dem heutigen Weltklassedirigenten Kirill Petrenko (47) wird dieses Werk kommende Woche zweimal im Bregenzer Festspielhaus aufgeführt. Beide Konzerte sind bereits seit Februar ausverkauft, ebenso inzwischen die öffentliche Generalprobe.

Handschlagqualität

Michael Löbl hat im Jahr 2008 als Geschäftsführer des Symphonieorchesters Vorarlberg diesen mutigen Zyklus mit dem damals noch weniger bekannten, in Vorarlberger aufgewachsenen russischen Dirigenten aus dem Boden gestampft. Nun aber ist man nach sieben gefeierten Aufführungen bei Symphonie Nummer acht angelangt und Petrenko wird über Stationen in Bayreuth und als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München im August als Chef der Berliner Philharmoniker den Gipfelpunkt seiner Weltkarriere antreten. Dass er trotzdem bis heute Wort hält und diesen Mahler-Zyklus in der Provinz fortsetzt, spricht für Handschlagqualität und Seriosität dieses großen Musikers und Menschen und erfordert erneut größte Hochachtung für ihn.

Petrenko selbst hat damals freilich nicht ganz uneigennützig zugesagt. Einerseits fühlt er sich menschlich mit vielen Musikern als einstige Studienkollegen vom Konservatorium bis heute „wie eine Familie“ verbunden, andererseits bot ihm das Orchester mit Musikern, die bei der Probe nicht auf die Uhr schauen, auch uneingeschränkte Möglichkeiten, sich selbst das umfangreiche symphonische Mahler-Repertoire anzueignen. Die nun anstehende „Symphonie der Tausend“ wurde 1910 uraufgeführt, es ist also vom Entstehungsdatum und von ihrer musikalischen Ausarbeitung her Musik des 20. Jahrhunderts mit der beginnenden Zweiten Wiener Schule, als deren Wegbereiter Mahler gilt.

Die in der „Achten“ vom Komponisten verwendeten Textvorlagen mit dem mittelalterlichen Pfingsthymnus und der Schlussszene aus Goethes „Faust“ stellen in ihrer komplexen musikalischen Umsetzung extreme Anforderungen an den Dirigenten, die Musiker und nicht zuletzt auch ans Publikum. Vermutlich mit ein Grund, warum dieses Werk bisher noch nie in Vorarlberg zu hören war.

Gürtel enger geschnallt

Ganz abgesehen natürlich von den enormen organisatorischen und finanziellen Problemen, die damit auf das Symphonieorchester als Veranstalter zukommen. Sebastian Hazod (31), der nach seinem Antritt als Geschäftsführer im Herbst unmittelbar damit konfrontiert wurde, hat für die „heiße“ Phase gleich einmal sein Team personell aufgestockt, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. „Der Aufwand und die Vorlaufzeiten für das Projekt sind enorm“, meint er im VN-Gespräch. Immerhin gilt es, 118 Orchestermusiker des SOV samt Aushilfen, je 80 Sänger des Bach-Chores Salzburg und des Bregenzer Festspielchores mit Projektsängern, 44 Kinder der Musikmittelschule Bregenz-Stadt und acht Solisten, darunter die Sopranistin Letizia Scherrer aus unserer Region, zeitgerecht auf ihre Einsätze vorzubereiten.

Wie ist es dem SOV überhaupt möglich, ein solches Projekt zu finanzieren? Hazod: „Ein großer Teil kommt von uns selber, wir haben in einem Dreijahresplan in allen Saisonen den Gürtel etwas enger geschnallt mit kleinen Einsparungen, die nicht weiter aufgefallen sind. Dazu kommen Sonder-Subventionen von Stadt Bregenz, Land und Bund und von unserem Konzertsponsor UNIQA.“

Generalprobe: 15. Mai, 17.00 Uhr; Aufführungen 16. und 18. Mai, jeweils 19.30 Uhr, Festspielhaus Bregenz (alles ausverkauft)