Ein Theaterabend, der lange nachwirkt

Kultur / 10.05.2019 • 19:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Intensive Begegnungen erfährt man mit dem Urmann (Daniel Blum), der Hundsgräfin Emilie Kraus (Rahel Jankowski), dem Polizeihauptmann Paul Grüninger (Rolf Mautz) und der Malerin Stefanie Hollenstein (Jeanne Devos). Heinz Holzmann
Intensive Begegnungen erfährt man mit dem Urmann (Daniel Blum), der Hundsgräfin Emilie Kraus (Rahel Jankowski), dem Polizeihauptmann Paul Grüninger (Rolf Mautz) und der Malerin Stefanie Hollenstein (Jeanne Devos). Heinz Holzmann

„Diorama Bregenz“ ist ein einsames, aber überaus spannendes Theatererlebnis.

Bregenz Man kann nur erahnen, welche Anstrengung es die Darsteller kostet, ein und dasselbe Stück an einem Abend 16 Mal hintereinander zu spielen. Ja, richtig gelesen, 16 Mal. Dabei handelt es sich, wie sich schon erahnen lässt, keineswegs um ein gewöhnliches Theaterstück, bei dem es nach altbewährtem Prinzip mehr Zuschauer als Darsteller gibt. Bei der Landestheater-Produktion „Diorama Bregenz – Der letzte Mensch“ funktioniert das nämlich genau andersrum. Es ist jeweils nur ein Zuschauer, der in den Genuss des spannenden Theaterformats von Lothar Kittstein und Bernhard Mikeska kommt. Alle zwölf Minuten wird ein Besucher auf die knapp einstündige Reise durch die szenische Installation im Magazin 4 geschickt. Eine kleine Tischuhr zeigt an, wann der Nächste an der Reihe ist. Auf die Sekunde genau startet die Vorstellung. „Es ist alles genau getimt. Es soll ja keinen Stau geben“, betont Landestheater-Intendantin Stephanie Gräve.

Der Zuschauer begibt sich, ausgestattet mit einem Audiogerät, ganz alleine durch die künstlichen Räume. Naja, fast alleine. Die Stimme in den Kopfhörern führt den Zuschauer in die Geschichte des Urmanns (Daniel Blum) ein, der vor 5000 Jahren lebte. Anzutreffen sind auch die Hundsgräfin Emilie Kraus (Rahel Jankowski), Polizeihauptmann Paul Grüninger (Rolf Mautz), und die Malerin Stefanie Hollenstein (Jeanne Devos) – alles Figuren, die einst in Bregenz und der Umgebung gelebt haben.

Teil des Geschehens

Es ist ein ziemlich einsames, aber überaus spannendes Theaterformat, was auch der hervorragenden schauspielerischen Leistung aller Mitwirkenden geschuldet ist. Rund zehn Minuten sind es, die der Zuschauer mit jeweils einem Schauspieler in einem Raum verbringt, nicht wissend, was folgen wird. Das baut Spannung auf. Der Zuschauer kann, muss aber nicht auf das Spiel der Darsteller eingehen. Man wird zum Beobachter und schließlich auch zum Teil des Geschehens. Um nicht zu viel vorwegzunehmen: Interessant ist diese Erfahrung so oder so. Im letzten Raum angelangt, hätte man fast vergessen, dass man sich hier in einer Theatervorstellung im Magazin 4 befindet. Es sind berührende und intensive Erlebnisse, die man mit den Geistern der Vergangenheit erfährt, und die noch lange nachwirken. VN-TAG

„Diorama Bregenz – Der letzte Mensch“ wird noch bis zum
31. Juli im Magazin 4 in Bregenz aufgeführt. Verbindlicher Kartenkauf erforderlich. www.landestheater.org