„Diorama Bregenz“ ist ein einsames, aber überaus spannendes Theatererlebnis

Kultur / 11.05.2019 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In dem Theaterstück mit Museumscharakter begenet man auch dem Urmann, der vor 5000 Jahren gelebt hat. HEINZ HOLZMANN

Bei „Diorama Bregenz:: Der letzte Mensch“ gibt es jeweils nur einen Zuschauer. Das ist Theater einmal anders.

Tanja Schwendinger

Bregenz Man kann nur erahnen, welche Anstrengung es die Darsteller kostet, ein und dasselbe Stück an einem Abend 16 Mal hintereinander zu spielen. Ja, richtig gelesen, 16 Mal. Dabei handelt es sich, wie sich schon erahnen lässt, keineswegs um ein gewöhnliches Theaterstück, bei dem es nach altbewährtem Prinzip mehr Zuschauer als Darsteller gibt. Bei der Landestheater-Produktion „Diorama: Bregenz: Der letzte Mensch“ funktioniert das nämlich genau andersrum. Es ist jeweils nur ein Zuschauer, der in den Genuss des spannenden Theaterformats von Lothar Kittstein und Bernhard Mikeska kommt. Alle zwölf Minuten wird ein Besucher auf die knapp einstündige Reise durch die szenische Installation im Magazin 4 geschickt. Eine kleine Tischuhr zeigt an, wann der Nächste an der Reihe ist. Auf die Sekunde genau startet die Vorstellung. „Es ist alles genau getimt. Es soll ja keinen Stau geben“, betont Landestheater-Intendantin Stephanie Gräve.

Der Zuschauer begibt sich, ausgestattet mit einem Audiogerät, ganz allein durch die künstlichen Räume. Naja, fast allein. Die Stimme im Kopfhörer führt den Zuschauer in die Geschichte des Urmannes (Daniel Blum) ein, der vor 5000 Jahren gelebt hat. Anzutreffen sind auch die Hundsgräfin Emilie Kraus (Rahel Janowki), Polizeihauptmann Paul Grüninger (Rolf Mautz), und die Malerin Stefanie Hollenstein (Jeanne Devos) – lauter Figuren, die einst in Bregenz und der Umgebung gelebt haben.

Teil des Geschehens

Es ist ein ziemlich einsames, aber überaus spannendes Theaterformat, was auch der hervorragenden schauspielerischen Leistung aller Mitwirkenden geschuldet ist. Rund zehn Minuten sind es, die der Zuschauer mit jeweils einem Darsteller in einem Raum verbringt, nicht wissend, was folgen wird. Das baut Spannung auf. Der Zuschauer kann, muss aber nicht auf das Spiel der Darsteller eingehen. Man wird zum Beobachter und schließlich auch zum Teil des Geschehens. Um nicht zu viel vorwegzunehmen: Interessant ist diese Erfahrung so oder so. Im letzten Raum angelangt, hätte man fast vergessen, dass man sich hier in einer Theatervorstellung im Magazin 4 befindet. Es sind berührende und intensive Erlebnisse, die man mit den Geistern der Vergangenheit erfährt, und die noch lange nachwirken. VN-TAG

„Diorama Bregenz:: Der letzte Mensch“ wird noch bis zum 31. Juli im Magazin 4 in Bregenz aufgeführt. Verbindlicher Kartenkauf erforderlich. www.landestheater.org