Alle Mann an Bord!

Kultur / 12.05.2019 • 19:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Abend zwischen Konzert und kleinem Theaterstück bot der Dornbirner Männerchor „Mann o Mann“. Veranstalter
Ein Abend zwischen Konzert und kleinem Theaterstück bot der Dornbirner Männerchor „Mann o Mann“. Veranstalter

Der Männerchor Dornbirn stach im Kulturhaus in See.

Dornbirn Dass ein Chor alljährlich einmal ein Konzert ausrichtet, das allein wäre jetzt noch nichts Außergewöhnliches. Dass das Konzert unter einem Motto steht, auch nicht. Dem Dornbirner Männerchor „Mann o Mann“ ist aber all das nicht genug. Deshalb lässt man den Abend im Dornbirner Kulturhaus einfach zwischen Konzert und kleinem Theaterstück schwanken – und das ist ein echtes Vergnügen.

„Leinen los! Auf der Suche nach dem Glück“, so der Titel des Programms, das der Dornbirner Männerchor gemeinsam mit dem Rheinberger Chor Vaduz und dem Salonorchester stemmte. Kapitän des Abends war Paul Faderny, versiert und souverän hatte er an Bord alles im Blick und gab den Kurs vor. Gemeinsam mit den Chören setzte auch Michael C. Havlicek die Segel. Der in Wien geborene Bariton ist dem Publikum der Wiener Volksoper aus zahlreichen Opern- und Operettenproduktionen wie „Die Csardasfürstin“, „Die lustige Witwe“ oder „Don Giovanni“ bekannt. Der Sommer führt ihn heuer zu den Festspielen nach Kufstein, und das Seeabenteuer des Männerchors brachte ihn nach Dornbirn.

Was also darf man sich von einem „Leinen los!“-Abend erwarten. Seemannslieder, Abenteuer, fremde Welten, Stürme, Wellengang und dann, am Schluss, das glückliche Einlaufen im sicheren Hafen. Ja, und genau das gab es in Dornbirn. Erste Szene: Es ist Montagmorgen, alle sind auf den Weg in ihre Büros. Aktenkoffer, Smartphone, alles dabei. Und dann stimmten sie Verdis Gefangenenchor aus seiner Oper „Nabucco“ an. Gefangen im Alltagstrott? Muss nicht sein. Also einfach raus und alle Mann an Deck. Von da an segeln die Mannen – begleitet beispielsweise von Motiven aus Wagner „Fliegendem Holländer“ – an die Ufer der Wolga (intoniert durch Lehárs „Wolgalied“), um zur berühmt-berüchtigten „Loreley“ zurückzukehren. Dort wurden die Dorbirner Sänger prompt auch Opfer der Sirenen (die Damen des Vaduzer Rheinberger Chores). Die hielten sie sieben lange Jahre am Grund des Flusses gefangen, bis Michael C. Havlicek sie heldenhaft zum Klang von Carl Maria von Webers „Freischütz“ befreite. Und nach einem kurzen Abstecher in den Dschungel und die Savanne, der von Ohrwürmern wie „The Lion sleeps tonight“ und traditionellen Xhosa-Gesängen begleitet wurde, waren sich Herren wie Damen einig: „Let the River run“ – lasst dem Fluss seinen Lauf.

Kräftiger und begeisterter Applaus

Es lässt immer wieder aufhorchen, was die Chöre des Landes so auf die Bühne zaubern. Das Konzert des Männerchors Dornbirn zählt auf jeden Fall zu dieser Sorte. Denn es will schon etwas heißen, diesen Ritt durch die Wellen schauspielernd und (auswendig) singend zu bestreiten. Das gelang in Dornbirn ganz fabelhaft. Dafür gehört – neben den stimmlichen Akteuren und den Musikern, die sich als elegante Begleiter erwiesen – auch Chorleiter Paul Faderny und auch Regisseurin Annette Lubosch alle Achtung. So konnte sich die Crew beim finalen Landgang auch den mehr als nur verdienten, kräftigen und begeisterten Applaus abholen. Und man darf schon jetzt gespannt sein, wohin die nächste Reise gehen wird.

Der Männerchor Dornbirn ist am 16. Juni beim Patrozinium der Kirche in Dornbirn Watzenegg zu hören: www.mannomann.biz