Bunter Muttertagsstrauß der Musikfreunde Bregenz

Kultur / 13.05.2019 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Konzertabend im gut besuchten Theater am Kornmarkt entpuppte sich gewissermaßen als bunter Muttertagsstrauß mit ganz unterschiedlichen Blüten. Kaplaner
Der Konzertabend im gut besuchten Theater am Kornmarkt entpuppte sich gewissermaßen als bunter Muttertagsstrauß mit ganz unterschiedlichen Blüten. Kaplaner

Hochtalentierte Teenager nutzten die Gelegenheit zum Solo-Auftritt.

Bregenz Das traditionelle Frühlingskonzert der Musikfreunde Bregenz am vergangenen Wochenende sollte wieder viel „Freude an der Musik“ vermitteln, wie Obfrau Anita Einsle zu Beginn ankündigte. Der Konzertabend im gut besuchten Theater am Kornmarkt entpuppte sich gewissermaßen als bunter Muttertagsstrauß mit ganz unterschiedlichen Blüten. Von dem musikalischen Blumenflor waren jedenfalls nicht nur Mütter und Omas sehr angetan, wie der herzliche Beifall für das vom langjährigen Kapellmeister Hansjörg Gruber bestens vorbereitete Musikfreunde-Orchester bewies. Besonderes Lob galt den jungen Solisten, die ihre Chance für einen öffentlichen Auftritt trefflich genutzt haben.

Plattform für Musikernachwuchs

Das seit über 100 Jahren bestehende Orchester der Musikfreunde Bregenz hat nicht nur die Pflege klassischer Musikliteratur auf seine Fahnen geschrieben. Ein wichtiges Anliegen ist auch, Plattform für begabten Musikernachwuchs zu sein. Das wurde dieses Mal im ersten Teil des Konzertabends mit vier hochtalentierten Teenagern (zwischen 13 und 16 Jahren jung) wieder eindrucksvoll verwirklicht.

Zum Auftakt erklang das Cello-Doppelkonzert in g-Moll, das Antonio Vivaldi (1678–1741) vermutlich um 1720 für das berühmte Waisenmädchen-Orchester in Venedig geschrieben hat. Mit den in Feldkirch studierenden Cellisten Iris Christa und Kilian Erhart waren die Solopartien überzeugend besetzt. Sowohl im Dialog der beiden Instrumente miteinander als auch im Zusammenspiel mit dem Orchester bewies das Duo überraschende Reife.

Sehr positiv fiel auch der Auftritt von Fiona Warenitsch als Solistin in der spieltechnisch anspruchsvollen Polonaise brillante Nr. 2 für Violine und Orchester des Stargeigers Henryk Wieniawsky (1835–1880) aus. Wie die Cellisten Christa und Erhart besucht Warenitsch das Musikgymnasium Feldkirch und studiert am Landeskonservatorium. Offensichtlich mit Erfolg, verfügt die junge Violinistin doch schon über eine stupende Grifftechnik und überzeugende Musikalität.

Mit guten Anlagen und viel Talent konnte auch die erst 13-jährige Anna Kicker aus Rankweil im Konzert für Oboe in C-Dur von Franz Anton Hoffmeister (1754–1812) überzeugen. Nach ihrem vom Blatt gespielten Solo-Auftritt verstärkte die Nachwuchs-Oboistin anschließend am Oboen-Pult das Orchester.

Groß aufgespielt

Im zweiten Teil des Konzertabends legten Dirigent Gruber und die Musikfreunde das Ergebnis intensiver Probentätigkeit vor: In der Sinfonie Nr. 2 in h-Moll von Alexander Porfirjewitsch Borodin (1833–1887) konnten alle Register, ganz besonders die mit vielen jungen Kräften verstärkten Holz- und Blechbläser, groß aufspielen. Borodin, im Hauptberuf Chemie-Professor und Arzt, war als Komponist quasi „Genie im Nebenberuf“. Er gehörte zum berühmten „mächtigen Häuflein“, dessen Mitglieder die Förderung einer nationalen russischen Musik betrieben.

Die komplexe 2. Symphonie ist vor 13 Jahren schon einmal auf dem Programm der Musikfreunde gestanden. Nach dem etwas schwerblütigen Borodin-Opus rissen Gruber und das Orchester mit einer rhythmischen Zugabe das Publikum beinahe von den Sitzen –dem nicht nur auf der Brexit-Insel Großbritannien populären March Nr. 1 von Edward Elgar (1857–1934) „Pomp ans Circumstance“. WK

Das Herbst-Konzert der Bregenzer Musikfreunde wird voraussichtlich am 16. November 2019 im Theater am Kornmarkt stattfinden.