Neu im Kino: Fesselnder Psychothriller mit Isabelle Huppert

15.05.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neil Jordan schickt sein Starduo Chloe Grace Moretz als Frances und Isabelle Huppert in der Titelrolle (im Bild) in einen Psychothriller um emotionale Suche nach Ersatz. AP

Isabelle Huppert spielt in „Greta“ von Oscar-Preisträger Neil Jordan eine recht liebenswerte Frau mit problematischem Hang zur schwer gestörten Mörderin.

Thriller Die Verwechslungsgefahr scheint groß. Ein Film mit dem Titel „Greta“ könnte in jugendbewegten Zeiten schnell Anhänger von Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihrer „Fridays for Future“-Bewegung auf falsche Fährten locken. Doch statt der engagierten Schwedin agiert dort eine undurchsichtige Französin: Isabelle Huppert spielt im Psychothriller „Greta“ von Oscar-Preisträger Neil Jordan eine recht liebenswerte Frau mit problematischem Hang zur schwer gestörten Mörderin.

Frances (Chloë Grace Moretz) findet in der New Yorker Subway eine Handtasche. Über einen Hinweis in der Tasche kommt sie auf die Besitzerin Greta (Huppert). Die scheinbar reizende ältere Dame lädt sie auch gleich zum Tee ein. Die beiden jeweils nach Schicksalsschlägen an sich und der Welt zweifelnden Frauen verstehen sich prächtig. Zudem ist Greta Klavierlehrerin und kann Frances ein paar wohlige Stunden am Piano verschaffen.

Geplant und eingefädelt?

So weit, so heimelig, die Fallhöhe ist erreicht, als Frances zufällig eine ganze Reihe identischer Handtaschenköder in einem Schrank von Greta findet. War alles von Greta geplant und eingefädelt? Was will die ältere Dame? Die junge Frau bricht den Kontakt ab. Doch so leicht geht das nicht. Greta wird schnell übergriffig und geistert als unberechenbare Stalkerin durch Frances‘ bald angsterfülltes Leben.

Trailer zum neuen Film „Greta“.

In der schwer lösbaren Konstellation – noch hat Greta nichts verbrochen – können organisierte Kräfte wie Arbeitgeber oder Polizei nicht helfen. Frances gerät schließlich erneut in Gretas Haus, damit in deren Finger und schließlich gefesselt in einen hinter Gretas Piano versteckten Raum. Es folgt eine erniedrigende Gefangenschaft, während die tyrannische Greta das Opfer Frances als Tochterersatz zu unterwerfen versucht.

Logikprobleme

Mit Jungstar Moretz und der Schauspielikone Huppert hat Regisseur Jordan ein glänzend mit- wie gegeneinander agierendes Frauenpaar gefunden. Beide füllen ebenso die emotionalen wie die schrecklichen Phasen dieser schwer zu durchschauenden Beziehung mit glänzendem Spiel aus. Dass auch die Nebenrollen durchwegs überzeugen, könnte den Film zu einem packenden Thriller machen, wären da nicht unfassbar banale Lücken in Logik oder Dramaturgie.

Ein Beispiel: Frances fährt ein megacooles Fahrrad. Entweder kurvt sie damit durch die riesige Wohnung von Mitbewohnerin Erica oder sie durchstreift auf dem hippen Gefährt die Straßen von New York. Auf dem Weg zu Gretas Haus in einem Hinterhof stellt Frances ihr Rad an der Wand des Vorderhauses ab: Ohne Schloss und mitten in New York. Hallo?! Damit sind gleich die nächsten zwei Minuten jenseits des Films der Frage gewidmet, in welcher Großstadt dieser Welt so etwas ohne Diebstahl funktionieren soll. Oder: Im emotionalen Auf und Ab diverser Showdowns scheint das Monster in Greta-Form gleich zweimal praktisch besiegt. Aber ihre Gegner lassen sich auf simpelste Art und Weise überrumpeln, während in den Kinosesseln nur ungläubiges Kopfschütteln herrscht.

Greta

Regie: Neil Jordan

Darsteller: Isabelle Huppert, Chloe Grace Moretz, Maika Monroe

Start: 17. Mai